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Blog Carsten Brzeski

Alles in den Sparstrumpf? Der Einfluss der niedrigen Zinsen auf Sparer

Die Nachwirkungen der Finanz- und nachfolgenden Eurokrise sind in Europa und bei Europas Verbrauchern immer noch sichtbar. Im letzten Jahr zehrten 27 Prozent der befragten Europäer von ihren Ersparnissen, während lediglich 19 Prozent einen Anstieg ihrer Ersparnisse verzeichnen konnten.

im Anhang finden Sie eine neue Studie zum Sparverhalten der europäischen Verbraucher und dem Einfluss der niedrigen Zinsen. Die Studie basiert auf den Ergebnissen des Internationalen Survey on Savings der ING (hier der Link zu den englischsprachigen Resultaten ING IIS Studie).

Der tiefe Graben, den Finanz- und Eurokrise durch Europa gezogen haben, zeigt sich auch bei den Ersparnissen der Verbraucher in den verschiedenen europäischen Ländern. Die vielleicht erschreckendste Erkenntnis der Umfrage unter fast 13.000 Befragten in 13 europäischen Ländern ist, dass 38 Prozent aller Befragten überhaupt keine Ersparnisse haben.

Trotz Konjunkturaufschwung in allen 13 untersuchten Ländern, hat sich die finanzielle Situation der Menschen in fünf Ländern verschlechtert. In den Niederlanden, Großbritannien, Belgien, Polen und Deutschland nahm die Anzahl der Menschen ohne Ersparnisse (laut eigenen Angaben) im letzten Jahr zu. Obwohl Deutschland häufig als das Land der Sparer gesehen wird, verfügen auch hier 36 Prozent über gar keine Ersparnisse. Deutschland liegt damit im Mittelfeld. Der Titel des Spareuropameisters sollte eher an Luxemburg oder die Niederlande verliehen werden, wo lediglich 14 Prozent bzw. 22 Prozent angaben, keine Ersparnisse zu haben.

Abb 1 Befragte (in %), die angaben, überhaupt keine Ersparnisse zu besitzen

Source: ING International Survey on Savings

Der EZB die Schuld zu geben für den verpassten Titel Deutschlands geht natürlich zu weit. Trotzdem hat die anhaltende Niedrigzinsphase vor allem Deutsche und Österreicher dazu veranlasst, Ihr Sparverhalten im letzten Jahr zu verändern. Bei negativen Zinsen auf dem eigenen Sparkonto würden 80 Prozent aller Deutschen Geld vom Konto abheben. Ob das Geld dann wirklich die Realwirtschaft erreichen würde, ist eher unwahrscheinlich. Die meisten Europäer würden ihr Erspartes lieber an einen sicheren Ort bringen als es auszugeben. Weitere Zinssenkungen der EZB könnten also immerhin für einen Boom bei Produzenten von Sparschweinen, Socken, Safes oder Matratzen sorgen.

Weitere Details und eine längere Analyse finden Sie hier.