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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week-20150925

Wenn die deutsche Automobilbranche niest... | 25.09.2015

Die deutsche Konjunktur hat sich in letzter Zeit erstaunlich robust gezeigt - trotz der turbulenten Ereignisse in den letzten Monaten. Doch was China und Griechenland nicht schaffen konnten, könnte jetzt der hausgemachte Skandal um die Manipulation von Abgasprüfungen bei Dieselfahrzeugen von Volkswagen bewerkstelligen. Und zwar der robusten Konjunktur einen Dämpfer zu versetzen.

Denn die Autoindustrie ist nicht nur die umsatzstärkste Industriebranche mit 368 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2014, sondern ist auch der Konjunkturmotor des Exportsektors. Kraftwagen und Kraftwagenteile sind Deutschlands wichtigstes Exportgut wie unser Chart der Woche zeigt. 2014 trugen sie 17,9% zu den Gesamtexporten bei, was einem Warenwert von 203 Milliarden Euro entspricht. Exportierte Maschinen im Wert von 166 Milliarden Euro und chemische Erzeugnisse im Wert von 107 Milliarden Euro folgen auf Platz zwei und drei.

Kraftwagen sind jedoch nicht nur Deutschlands wichtigstes Exportgut, sondern für die Branche selbst ist die Bedeutung des Auslandsgeschäfts erheblich. So lag die Exportquote in der Kfz-Industrie im Jahr 2014 bei über 64%. Nur pharmazeutische Erzeugnisse und sonstige Fahrzeuge erreichten eine noch höhere Exportquote. Ein möglicher Reputationsverlust könnte die vom Export abhängige Automobilbranche daher besonders hart treffen.

Zwar ist noch nicht absehbar, welche Auswirkungen die Diesel-Manipulationen um Volkswagen bezüglich des Imageschadens, der Strafzahlungen und der Nachrüstungen der betroffenen Fahrzeuge haben werden. Unser Chart verdeutlicht aber, dass der deutschen Konjunktur die größte Herausforderung seit langem bevorstehen könnte.