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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Portugal - ein Krisengewinner | 02.10.2015

Am kommenden Sonntag werden die Portugiesen an die Wahlurnen gerufen. Im Rennen ist die Mitte-Rechts-Koalition (PSD und CDS-PP) des amtierenden Premierministers Passos Coelho und die oppositionelle sozialdemokratische Partei Partido Socialista (PS), die sich bei der Wahl vor vier Jahren dem Koalitionsbündnis geschlagen geben musste.

Dass die mediale Aufmerksamkeit anders als zuletzt bei der Nationalwahl in Griechenland oder der Regionalwahl in Katalonien weitestgehend ausgeblieben ist, liegt vor allem daran, dass sich die beiden großen konkurrierenden Parteien in ihren Wahlkampagnen kaum unterscheiden. Beide Blöcke stehen für einen Pro-Euro-Kurs, unterstützen den Schuldenabbau und sprechen sich für eine Erfüllung des Haushaltsdefizits aus. Obwohl der Ausgang der Wahl jüngsten Umfragen zufolge knapp wird – CDS-PP/PSD führt mit 35-43% der Stimmen, während PS zwischen 32-36% der Stimmen erhalten könnte – und keine absolute Mehrheit für eine der beiden Parteikonstellationen wahrscheinlich ist, wird sich der eingeschlagene Politikkurs der Austerität und der Reformen selbst bei einem Sieg der Opposition daher nicht fundamental ändern. So sehen auch die Finanzmärkte in dieser Wahl keine Bedrohung für den zaghaften Aufschwung und reagieren daher auch nicht mit einer Risikoprämie.

Portugal, das im Rahmen eines Hilfsprogramms der ehemaligen „Troika“ 78 Mrd. Euro erhielt, hat sich wirtschaftlich am Ende der vierjährigen Amtszeit von Passos Coelho sichtlich verbessert wie unser Chart der Woche zeigt. Die Regierung hat es im letzten Jahr geschafft, die Auflagen des Rettungsprogramms zu erfüllen und das Land auf einen langsamen Erholungskurs zurückzuschicken, auch wenn dies mit hohen Restriktionen und Sparmaßnahmen einherging und immer noch einhergeht. Wachstumstreiber der portugiesischen Wirtschaft sind die Konsumausgaben der privaten Haushalte, die von einer deutlichen Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt angetrieben wurden. Die Arbeitslosigkeit ist mit 11,9% so gering wie zuletzt im Jahr 2010. Weitere Wachstumstreiber bilden die Bruttoanlageinvestitionen und Lagerbestände.

Allerdings ist dieser positive Trend immer noch sehr langsam und nicht alle Portugiesen spüren den Aufschwung. Der Importanteil ist nach wie vor hoch, weswegen sich Nettoexporte als eine starke Wachstumsbremse erwiesen haben. Mit einer Staatsschuld von fast 130% des BIP und einer Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 30% wird Portugal zudem noch lange unter den Altlasten der Krise leiden. Doch das Drama um Syriza hat gezeigt, dass das Einläuten einer radikalen Wende gegen den Sparkurs gar nicht so einfach ist. So könnte im Euroland zum ersten Mal eine Partei wiedergewählt werden, die ein Rettungsprogramm vollständig umgesetzt hat.