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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

No risk, no fun...| 15.01.2016
Die Achterbahnfahrt an den Finanzmärkten geht weiter, der Ölpreisverfall setzt sich fort und die politischen Spannungen reißen nicht ab. Die ersten Wochen des neuen Jahres haben vielen Marktteilnehmern einen ordentlichen Schrecken eingejagt und die Hoffnung auf ein ruhiges Börsenjahr 2016 weitestgehend verjagt. Man spricht wieder mehr über Risiken als über Chancen. Da trifft der jüngste Global Risk Report des Schweizer Weltwirtschaftsforums genau ins Schwarze. Denn wenn sich die Umfrageergebnisse bewahrheiten, können wir Stabilität und Langeweile für die kommenden Monate und Jahre wohl vergessen.

In wenigen Tagen findet das 46. Treffen des Weltwirtschaftsforums in Davos statt, zu dem über 2500 Teilnehmer aus 100 Ländern erwartet werden, um den Zustand der Welt zu verbessern. Das Thema des diesjährigen Treffens „Die Bewältigung der vierten industriellen Revolution“ wird dabei jedoch von sehr viel drängenderen Problemen in den Schatten gestellt. Denn im diesjährigen Global Risk Report, der seit 2006 jährlich kurz vor dem Treffen veröffentlicht wird, stellt die Massenflucht und Massenzuwanderung das derzeit größte Risiko für die Weltgemeinschaft dar wie unser Chart der Woche zeigt. Alleine nach Europa kamen 2015 über 1,5 Millionen Flüchtlinge. Weitere Risiken werden in Staatskrisen oder -zusammenbrüchen, Konflikten zwischen Staaten, Arbeitslosigkeit und dem Scheitern nationaler Regierungen gesehen. Problematisch ist dabei auch, dass die einzelnen Risiken stark miteinander verwoben sind. Der starke Flüchtlingsstrom wird zur Belastungsprobe für die nationalen Regierungen, schon jetzt gibt es erhebliche Spannungen zwischen den europäischen Ländern zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms und auch national werden kritische Stimmen immer lauter.

Langfristig gesehen stellen hingegen der Klimawandel und die Wasserversorgung die größten Probleme dar. Auch hier wird deutlich, wie stark sich die einzelnen Risiken gegenseitig beeinflussen. Scheitert der Klimawandel, so nehmen extreme Wetterphänomene zu, die wiederum Ernährungskrisen auslösen und letztendlich zu tiefgreifenden sozialen Ungleichheiten führen.

Zehn Risiken, die in den nächsten Monaten und Jahren die Stabilität der Weltgemeinschaft auf die Probe stellen werden, und dabei taucht das Problem der Bewältigung der vierten industriellen Revolution noch gar nicht mal auf. Die Volatilität des letzten Jahres wird sich also auch in diesem Jahr fortsetzen. Denn Finanzmärkte reagieren auf geopolitische Spannungen, die zu erhöhter Unsicherheit und Volatilität führen. Planungssicherheit für Investoren gibt es also erst mal nicht.