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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Die Fed hält den Ball flach und sich – wie immer – alle Optionen offen | 29.01.2016
Die noch im Dezember letzten Jahres mehr oder weniger geplanten vier Zinsschritte der Fed für dieses Jahr stehen auf wackeligen Beinen. Am Mittwoch legte die amerikanische Notenbank nach dem ersten Zinsschritt nach fast einem Jahrzehnt nicht nach und zeigte sich verhalten. Damit legt die divergierende Geldpolitik der großen Notenbanken an beiden Ufern des Atlantischen Ozeans erst einmal eine Pause ein. In diesem Jahr gibt es zwar noch sieben Treffen, genug Spielraum also, um die Zinsschraube fester zu ziehen. Doch die immer noch niedrige Inflation, Unruhe an den Märkten und Angst vor einer Abkühlung der amerikanischen Konjunktur lassen in nächster Zeit keine großen Sprünge zu.

Eine schnelle Rückkehr zu Zinsen oberhalb der 1%-Marke, die zuletzt im Jahr 2008 gesehen wurde, ist mit Blick auf die jüngsten Marktturbulenzen, das ausbleibende Kursfeuerwerk und die unsichere Weltwirtschaftsentwicklung also nicht in Sicht. Das heißt jedoch nicht, dass es nicht doch noch ganz anders kommen kann, wie unser Chart der Woche zeigt. Denn sowohl 1994/1995 als auch 1999/2000 wollte die Fed gemäßigt vorgehen, zog dann aber die Zinsen viel schneller an, als vom Markt erwartet. So erhöhte die Fed innerhalb eines Jahres zwischen Februar 1994 und Februar 1995 den Leitzins von 3% auf 6%. Aufgrund robusten Wachstums erfolgte der erste kleine Zinsschritt im Februar 1994, gefolgt von einer weiteren Anhebung um 25 Basispunkte im März. Trotz stabiler Inflationsraten wurde der Zins kontinuierlich bis Februar 1995 um 50 Basispunkte erhöht. In jedem Statement wurde der Zinsschritt damit begründet, die Inflationsrate stabil zu halten, um die wirtschaftliche Expansion zu stärken. Einen Hinweis auf weitere Zinsschritte gab es jedoch nicht. Und auch im Zeitraum von 1999 bis 2000 zog die Fed den Leitzins unerwartet stark an und erhöhte den Leitzins um 1,75%-Punkte. 2004 bis 2006 verfolgte die Fed dagegen eine Anhebung in gemäßigtem Tempo. Von Juni 2004 bis Juli 2006 stieg der Zins von 1% schrittweise um 25 Basispunkte auf 5,25% an. Obwohl die Inflation in 2005 deutlich anzog und die Wirtschaft kräftig wuchs, wurden die gemäßigte Steuerung und die „forward guidance“ beibehalten.

Was wird die Fed also in diesem Zinszyklus tun? Noch hat sie sich alle Optionen offen gelassen. Sofern sich der Ausblick für die Wirtschaftsentwicklung jedoch nicht rasant verbessert, könnte Frau Yellen eventuell sogar einen sogenannten Trichet-Moment erleben. Unter Trichet erhöhte die EZB 2011 nämlich zwei Mal den Leitzins trotz schwacher Wirtschaftslage. Am Ende des Jahres wurde diese Entscheidung wieder revidiert, der neue EZB-Präsident senkte Ende 2011 den Leitzins wieder.

Ob es ganz so schlimm für Janet Yellen kommen wird, ist noch nicht deutlich. Aus den erwarteten vier Zinsschritten sind mittlerweile allerdings noch maximal zwei geworden. Sollte die amerikanische Konjunktur sich doch noch abkühlen, könnte die nächste Zinserhöhung vielleicht sogar bis 2017 auf sich warten lassen. Es bleiben spannende und unruhige Zeiten.