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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Kein Schlaraffenland für Banken | 05.02.2016

Die EZB rudert zurück. In den letzten Tagen hat die EZB deutlich versucht, den Fehler vom letzten November nicht zu wiederholen und die Erwartungen der Märkte nicht in den Himmel wachsen zu lassen. Aktuell war es Yves Mersch, Mitglied des Direktoriums der EZB, der diese Woche meinte, dass noch lange nichts für das EZB-Treffen im März beschlossen sei. Ja, ja. Die EZB hat wahrscheinlich festgestellt, dass sie die Märkte nicht noch einmal auf die falsche Fährte führen kann und Erwartungen schafft, die gar nicht wahr gemacht werden können. Allerdings ist es mit dem wieder erstarkten Euro, schwacher Inflation und einem generell abwärts gerichteten Marktausblick sehr schwierig, im März gar nichts zu machen. Um es mit der Fußballersprache zu sagen, was also erlauben EZB?

Die Markterwartungen beruhigen, ist ein Grund. Ein anderer Grund, warum die EZB zu mehr Realismus und weniger Erwartungsbildung drängt, könnte derweil aber auch der Bankensektor sein. Denn die negativen Konsequenzen der lockeren Geldpolitik machen sich mittlerweile nicht nur auf Sparbüchern und bei Versicherungs- und Pensionsfonds bemerkbar. Die Niedrigzinspolitik trifft auch einen empfindlichen Nerv der Bankenbranche und zwar die Nettozinsspanne, die sich aus dem Verhältnis des Zinsüberschusses gegenüber der Bilanzsumme ergibt. Dabei gilt: je höher die Zinsspanne, desto rentabler das Kreditinstitut. Die negativen Zinsen schmälern den Zinsüberschuss jedoch erheblich und bringen Banken in Probleme.

Und das betrifft nicht nur Banken in der Eurozone. Mit der japanischen Zentralbank, die am 29. Januar überraschend ankündigte, negative Zinsen auf den Einlagenzinssatz einzuführen, beläuft sich die Summe der Zentralbanken mit negativen Zinsen mittlerweile auf fünf Stück. Neben Japan befinden sich auch die Zinssätze der Zentralbanken der Schweiz, Dänemark, Schweden und der Eurozone im negativen Territorium. Damit macht der Anteil der Länder, deren Zentralbanken für Bankeinlagen negative Zinsen verlangen, ganze 25% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts aus wie unser Chart der Woche zeigt. Die Schwergewichte sind dabei die Eurozone, die 17% des weltweiten BIP ausmachen, und Japan mit 6%.

Kein angenehmes Umfeld für Banken also, die im klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft unterwegs sind.Das Risiko für riskantere Anlagen dürfte steigen. Vor allem der EZB sollte das Kopfschmerzen bereiten. Denn die EZB braucht die Banken, um ihre Geldpolitik an den Mann und die Frau und die Unternehmen zu bringen. Die EZB wird in den kommenden Wochen also eine gute Kosten-Nutzen-Analyse machen müssen, wenn sie über die nächsten Schritte für das März-Treffen diskutiert. Denn dass die EZB etwas tun wird, ist deutlich. Nichts wäre für Mario Draghi schlimmer als zugeben zu müssen, dass die EZB Inflation und Konjunktur nur noch beeinflussen kann wie „Flasche leer“…