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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Geld schießt nicht immer Tore| 12.02.2016
Die riesige Geldmaschinerie hat sich in Bewegung gesetzt. Der Wahlkampf in den USA ist bereits voll im Gange, obwohl die Vorwahlen in den USA erst am 1. Februar begonnen haben und die eigentliche Präsidentschaftswahl erst im November dieses Jahres stattfindet. Die Bewerber durchlaufen noch 54 Stationen, die sich aus den Vorwahlen und Caucuses in den 48 verbleibenden Bundesstaaten, fünf amerikanischen Außengebieten und dem District of Coumbia zusammensetzen, ehe auf den Parteitagen der Republikaner und Demokraten im Juli die finalen Präsidentschaftskandidaten für die diesjährige US-Wahl bekannt geben werden.

Nachdem Chris Christie und Carly Fiorina ihre Präsidentschaftskandidatur zurückgezogen haben, stehen dem republikanischen Lager noch sieben Kandidaten zur Auswahl. Donald Trump, Ted Cruz und Marco Rubio führen die Umfragen an, sowohl Donald Trump als auch Ted Cruz konnten bereits eine Vorwahl für sich entscheiden. Das Lager der Demokraten hat es dagegen einfacher. Hier stehen mit Hillary Clinton und Bernie Sanders nur noch zwei potentielle Präsidentschaftskandidaten zur Auswahl. Auch hier steht es momentan pari. Bis zum Juni ziehen sich die Vorwahlen noch hin, der nächste wichtige Termin ist der „Super-Dienstag“ am 1. März, an dem in 15 Bundesstaaten und Territorien gleichzeitig Vorwahlen stattfinden werden.

Politischer Erfolg in den USA hat allerdings seinen Preis. Einen hohen Preis. Denn ohne gutgefüllte Wahlkampfkassen ist auch das beste Regierungsprogramm zum Scheitern verurteilt. Nicht umsonst ist "fundraising" eines der wichtigsten Worte im amerikanischen (Vor-)Wahlkampf. Dass sich die Anwärter ihren potentiellen Wahlerfolg also etwas kosten lassen, zeigt unser Chart der Woche. Ganze 2,6 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) haben die Kandidaten für den Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2012 ausgegeben, vier Jahre zuvor waren es sogar 2,8 Milliarden Dollar. Damit sind die Ausgaben gegenüber dem Jahr 2000 um 50 Prozent gestiegen. Und auch dieses Jahr dürften die Ausgaben mindestens wieder über der 2 Milliarden Dollar Marke liegen. Nimmt man alle bis jetzt eingeworbenen Gelder zusammen, führt Hillary Clinton derzeit die Jagd nach Geld mit 163,5 Millionen Dollar an, gefolgt von Jeb Bush mit 155,6 Millionen Dollar. Ted Cruz verfügt über 90 Millionen Dollar und Milliardär Donald Trump ist dagegen mit seinen 21 Millionen Dollar fast schon abgeschlagen (Quelle: The New York Times, Stand: Januar 2016).

Da kann man die Wahlausgaben für die Spitzenkandidaten der Europawahl im Jahr 2014 nur belächeln. Denn das Budget für die damaligen sechs angetretenen Spitzenkandidaten lag zusammen bei etwa 5 Millionen Euro (Quelle: Transparency International). Insgesamt betrugen die Wahlkampfkosten der deutschen Parteien für die letzte Europawahl etwa 27 Millionen Euro. Nichts im Vergleich zu den amerikanischen Gelddruckmaschinen. Dafür kriegt man eine Wählerstimme aber auch schon im Schnitt für 80 Cent und muss keine 10 Euro investieren.

Im Fußball hört man ja häufig den Spruch „Geld schießt Tore“. Mein Lieblingsverein Hertha zeigt gerade, dass dieser Spruch zum Glück nicht immer stimmt. Im amerikanischen Wahlkampf kann man ohne Geld jedoch definitiv nicht punkten. Darum würde es auch nicht überraschen, wenn in den nächsten Tagen der ehemalige Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, doch noch als unabhängiger Kandidat ins Rennen um das Weiße Haus einsteigen würde. Eine wesentliche Voraussetzung für Erfolg hat er auf jeden Fall: Geld.