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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Der IWF dämpft die Frühlingsgefühle | 15.04.2016
Nach den ersten wärmenden Sonnenstrahlen diese Woche folgte auch schon gleich wieder ein erster Dämpfer – in Form von Regen und der Frühjahrsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF). Wieder einmal wurden die Wachstumsprognosen für fast alle Länder nach unten korrigiert. Marktturbulenzen, eine steigende weltweite Schuldenlast, Probleme in Schwellen- und Entwicklungsländern sowie geopolitische Spannungen und aufkeimender Protektionismus dämpfen die Weltwirtschaft. Das ist damit das dritte Mal in Folge, dass die globalen Wachstumsaussichten nach unten angepasst wurden.

Und auch im Finanzstabilitätsbericht kommt die Weltwirtschaft nicht gut weg. Zunehmende Finanzrisiken und fallende Rohstoffpreise bedrohen das ohnehin schon schwache Wachstum. Genug Stoff zum Diskutieren also für das jetzige Wochenende, an dem der IWF und die Weltbank mit Politikern, Journalisten und Akademikern bis Sonntag in Washington zu ihrem Frühlingstreffen zusammen kommen. Neben dem schwachen Wachstum als Sorgenbereiter haben auch die Rezessions- und Deflations-wahrscheinlichkeiten wieder gegenüber den Prognosen im letzten Jahr zugenommen. Auch wenn die Inflation in der Eurozone im März überraschend aus dem negativen Bereich geklettert ist, zeigen die 5-jährigen Inflations-Swaps in unserem Chart der Woche, dass gerade im Euroraum und in Japan, wo die Zentralbanken massive monetäre Lockerungsprogramme aufgefahren haben, die mittelfristigen Inflationserwartungen nicht auf die Beine kommen. Im Euroraum verharrt die Inflationserwartung auf ihrem 1,5%-Level, während es in Japan mit leicht negativen Erwartungen noch mauer aussieht. Und auch in den USA stagnieren die Erwartungen.

 

 

Haben sich die ganzen Zentralbankbemühungen also letztlich nicht gelohnt? Zumindest, wenn man derzeit einigen deutschen Stimmen folgt, haben die Zentralbanken und allen voran die EZB mit ihrer Politik mehr Schaden angerichtet, als geholfen. Doch die Frage bleibt im Raum stehen, ob es nicht ganz anders gekommen wäre, hätten die Zauberer gar nicht erst versucht, das Letzte aus ihren Hüten zu holen? Wir würden dann nicht über Rezessionsgefahren sprechen. Wir wären dann mitten drin in einer heftigen Rezession. Oder die Eurozone wäre auseinandergebrochen und wir hätten gar keine EZB mehr, über die wir uns so schön beschweren können. Auch wenn es in Deutschland im Augenblick viel Kritik hagelt und man scheinbar froh ist, einen Sündenbock gefunden zu haben, anstatt sich an die eigene Nase zu fassen, so gibt es wenigstens seitens des IWF aufmunternde Worte und Unterstützung. Denn das Rezept des IWF gegen noch düsterere Aussichten sind Strukturreformen – und noch mehr lockere Geldpolitik.