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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Italiens sorgenbehaftetes Triple | 29.04.2016
Keine neuen Maßnahmen von der EZB, keine neuen Maßnahmen von der Fed, gemäßigte Wirtschaftsdaten und geringe Inflation gewürzt mit etwas Volatilität – die Eurowirtschaft dümpelt derzeit wenig aufsehenerregend vor sich hin. Nicht rasant, aber immerhin geht es momentan voran. Handelt es sich hierbei womöglich um die berühmte Ruhe vor dem Sturm?

Denn unterschwellig brodelt so einiges im Eurozonen-Kochtopf. Neuwahlen in Spanien, ein verfehltes Haushaltsdefizit in Portugal, nationalistische Bestrebungen in Frankreich und Österreich, Brexit-Sorgen sowie neu aufkeimende Spannungen zwischen den Kreditgebern und der griechischen Regierung könnten dieses Jahr noch abwechslungsreich werden lassen. Neben das beständige Sorgenkind Griechenland hat sich seit einiger Zeit ein weiteres südeuropäisches Land gesellt: Italien.

Neben Schlagzeilen rund um Eurobonds und das Referendum im Oktober über eine Verfassungsreform sorgt momentan Italiens Bankenrettungsfonds für Gesprächsstoff. „Atlante“, nach dem griechischen Titan, der das Himmelsgewölbe stemmt, benannt, soll die krisengefährdeten Bankeninstitute mit einer Kapitalausstattung von vier Milliarden Euro entlasten und so die Kreditvergabe an die Wirtschaft wieder ankurbeln. Die überwiegend von nichtstaatlichen Banken und Instituten zur Verfügung stehenden Mittel sollen einerseits die Kapitalausstattung schwacher Banken stärken und andererseits den Abbau fauler Kredite vorantreiben.

Denn die Verschuldung des italienischen Bankensektors hat mittlerweile enorme Züge angenommen wie unser Chart der Woche zeigt. So machen notleidende Kredite rund 17% der gesamten Bruttodarlehen aus; in absoluten Zahlen gesprochen entfällt mit 360 Milliarden Euro ein Drittel aller ausfallgefährdeten Darlehen in Europa auf Italien. In der Eurozone liegt der prozentuale Anteil dagegen mit 6,7% bei weniger als der Hälfte. Doch nicht nur die notleidenden Kredite bereiten Magenschmerzen. Ein hoher Anteil der Banken an Staatsanleihen und überdurchschnittliche Bankschuldverschreibungen in den Bankaktiva ergänzen Italiens sorgenbehaftetes Triple.

 

 

Insbesondere für die hohe Verflechtung zwischen Banken und Staat wird Italien auch international zunehmend kritisiert. Dass der Vorstoß Deutschlands und der Niederlande ein Limit auf das Halten von Staatsanleihen für Banken einzuführen, in Italien sauer aufstößt, verwundert in Anbetracht dieser Zahlen nicht. Sollte es jedoch jemals zu einer kompletten und vollständigen Bankenunion kommen, sollten die Risiken innerhalb der einzelnen Länder vor allem auf Wunsch Deutschlands vorher reduziert werden – keine einfache Aufgabe, hier eine Lösung zu finden, gehen doch schon die Meinungen über die EZB-Politik und Haushaltsausgaben meilenweit auseinander.

Noch köchelt es in der Eurozone vor sich hin. Dieser Sommer bietet aber einmal mehr die Gelegenheit, dass der Kochtopf auch überkocht. Genug Potenzial ist zumindest vorhanden. Gerade die medial weniger beachteten Länder könnten dann für den richtigen Knall sorgen.