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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Wer ist die Nummer zwei der Herzen? | 27.05.2016
Am 10. Juni startet in Frankreich die Fußball-Europameisterschaft. Auch wenn wir Ökonomen uns bemühen, die Dinge sachlich und unvoreingenommen zu betrachten, sind wir natürlich nicht immun gegen das Fußballfieber. Daher wurden im Rahmen der jüngsten ING International Survey (IIS) die Umfrageteilnehmer in 13 europäischen Ländern nicht nur zu Finanzthemen, sondern auch zu ihrer Sicht auf das bevorstehende Turnier befragt. Heute und in den kommenden beiden Wochen bis zum Start der EM stellen wir Diagramme vor, die einmal einen etwas anderen Blick auf das sportliche Großereignis werfen sollen.

Unter der Überschrift „Cup-o-nomics“ wurde unter anderem danach gefragt, welche Mannschaft die Umfrageteilnehmer bei der Europameisterschaft unterstützen werden. Das Ergebnis war zu erwarten: Fast überall landete die eigene Mannschaft auf dem ersten Platz – im Falle Großbritanniens sogar auf den ersten drei Plätzen, denn mit England, Wales und Nordirland nehmen gleich drei Teams aus dem Vereinigten Königreich am Turnier teil. Die einzigen anderen Ausnahmen waren die Niederlande und Luxemburg, deren Mannschaften es leider nicht nach Frankreich geschafft haben. Keine Überraschung also. Interessanter war da schon die Frage, wem denn – nach dem eigenen Team – an zweiter Stelle die Sympathien gehören. Unsere polnischen Kollegen von der ING Bank Śląski haben sich einmal daran gemacht, die Ergebnisse dieser Frage zu visualisieren. Das Ergebnis ist optisch beeindruckend, bedarf aber möglicherweise einiger Erläuterungen…

 

 

Der farbige Balken im inneren Kreis stellt die Stimmen dar, die aus dem jeweiligen Land für andere Teams abgegeben wurden. So ist unserem Chart der Woche beispielsweise zu entnehmen, dass für die türkischen Fans nach der eigenen Mannschaft Deutschland und Spanien an zweiter Stelle stehen – oder dass Sympathien aus Deutschland nach Spanien, Frankreich, Italien und Österreich gehen. In den Balken des äußeren Kreises sind die Stimmen gesammelt, die das jeweilige Land erhalten hat. Die Teams von Deutschland und Spanien genießen breite Unterstützung aus neun anderen Ländern, Frankreich und Italien folgen mit sieben. Belgien fliegen Sympathien aus Frankreich und Italien zu, Österreich kann sich wenigstens über Unterstützung vom nördlichen Nachbarn freuen. Die Stimmen für die übrigen Länder liegen unterhalb der Darstellungsschwelle.

Während Deutschlands wirtschaftliche und politische Rolle in Europa zunehmend kritisch gesehen wird und auch die deutschen Gesangskünste wenig Begeisterung wecken, fliegen unserer Nationalelf also offenbar die Herzen zu. Woran liegt das? Vielleicht verfängt hier das während der WM 2014 geprägte, sympathische Narrativ von „The Mannschaft“ – einem Team, das als Einheit auftritt und so andere Wettbewerber mit besseren Einzelkönnern zu bezwingen vermag. Womöglich ist es aber auch viel einfacher. Ein weiteres Ergebnis der IIS-Umfrage war nämlich, dass Deutschland für die meisten Befragten der Favorit auf den EM-Titel ist – und auf der Seite des Siegers steht man bekanntlich gerne. Gut möglich also, dass viele Befragte ihre Sympathien einfach nur an ihre Erwartungen bezüglich des Titelgewinns koppeln. Wir hätten aber natürlich nichts dagegen, wenn sie damit richtig liegen sollten.

Hinweis: Aus den oben erwähnten Gründen sind Großbritannien mit seinen Mannschaften sowie Belgien und Luxemburg nicht im Chart enthalten. Der besseren Lesbarkeit halber wurde außerdem auf die Darstellung von Stimmen für das jeweils eigene Land und für Länder verzichtet, in denen keine IIS-Befragung stattfand. Auch sehr niedrige Stimmanteile werden aus diesem Grund nicht dargestellt.