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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Das Doppelleben des Sparweltmeisters | 08.07.2016
Deutschland ist nicht nur Land des Fußball-Weltmeisters (nach gestern Abend leider nicht des Fußball-Europameisters), sondern auch das Land des Sparweltmeisters. Trotz Niedrigzinsphase steigt die Sparquote und werden weiterhin fleißig Rücklagen gebildet. Allerdings gibt es auch eine dunkle Seite, denn 36 Prozent der Deutschen verfügen über gar keine Ersparnisse und fast jeder Zweite konsumiert auf Pump. Der Sparweltmeister führt also ein Doppelleben.

Das geht aus der aktuellen Online-Umfrage der ING-DiBa hervor, die im Rahmen der ING International Survey von Ipsos in 13 europäischen Ländern durchgeführt wurde. In Deutschland wurden 1.008 Personen befragt. Gefragt wurde nach Konsum- bzw. Privatschulden, Hypothekarkredite waren davon ausgenommen.

So zeigen wir in unserem Chart der Woche, wie sich die Privatschulden laut Angaben der befragten Deutschen aufteilen. Mit 19 Prozent ist der Konsumkredit noch immer die beliebteste Kreditform. Rund 13 Prozent nutzen die Möglichkeit, ihr Girokonto regelmäßig zu überziehen und sechs Prozent vertrauen auf Familie und Freunde oder nehmen einen Händlerkredit auf. Kreditkartenschulden erfreuen sich mit fünf Prozent nur geringer Beliebtheit.

 

 

Erschreckend ist allerdings, dass Sparpotenziale bei Kreditkosten gar nicht erst genutzt werden. Gefragt nach den Kosten für den Konsumkredit oder die Überziehungszinsen des Kontos, wissen lediglich 37 Prozent genau, was ihnen die Bank dafür berechnet. 44 Prozent begnügen sich mit einer besseren Vermutung und ganze 19 Prozent geben zu, überhaupt keine Ahnung zu haben. Im Euro-Durchschnitt sind es sogar 22 Prozent. Dabei machen es Vergleichsportale sowie Tools und Apps von Banken durchaus auf unkomplizierte Art und Weise möglich, das Ausgabeverhalten zu kontrollieren. Schwierig nur, wenn Schuldner über diese Einsparungspotentiale gar nicht Bescheid wissen.

Die Auswirkungen dieses Unwissens halten sich jedoch noch einigermaßen in Grenzen. So beläuft sich bei 60 Prozent der Befragten die Summe der Privatschulden auf weniger als 20.000 Euro, bei jedem fünften liegt der Betrag nur zwischen 1.000 und 5.000 Euro (24 Prozent haben diese Frage nicht beantwortet, während bei 12 Prozent der Befragten die Summe der Privatschulden 20.000 Euro übersteigt).

So wie sich beim Fußball-Weltmeister Licht und Schatten in letzter Zeit häufig abgewechselt haben, und der Schatten dieses Mal leider die Oberhand gewonnen hat, so verstellt auch der Titel des Sparweltmeisters die Sicht auf eine etwas unangenehmere Realität. Der Sparweltmeister führt ein Doppelleben, das nur mit erhöhter Finanzbildung beendet werden kann.