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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Schafft Deutschland doch noch den Medaillensegen? | 12.08.2016
Seit langer Zeit stellt sich mal wieder ein richtiges Sommerloch ein, die Wirtschaft dümpelt vor sich hin. Nach dem heftigen Letztjahressommer mit dem Drama um Griechenland eine erholsame kurze Pause. Dass es bald wieder losgeht, steht außer Frage, spätestens dann, wenn sich die großen Zentralbanken im September treffen und heiße politische Phasen in Österreich, den USA und in Italien losgehen. Aber bis dahin kann man die Ruhe vor dem Sturm erst mal genießen. Und hier kommen die Olympischen Spiele gerade recht, um sich vom Sommerloch ein wenig abzulenken. Denn in Brasilien ist fast die Halbzeit erreicht.

Grund genug, sich einmal den Medaillenspiegel anzuschauen. Nach einem holprigen Start kommen die deutschen Athleten langsam in Fahrt. Am vierten Tag gab es die ersten Medaillen, momentan steht das Team bei insgesamt acht Medaillen. Der ganz große Segen ist bislang aber noch ausgeblieben. Gut, dass es für diesen Fall ökonomische Modelle gibt, die sich abseits der Konjunkturanalyse auch mal mit etwas anderen Prognosen beschäftigen. Denn nach einem Modell der Tuck School of Business warten nicht nur noch 40 Medaillen auf uns, Deutschland wird auch insgesamt was die Medaillenanzahl angeht den fünften Platz belegen, wie unser Chart der Woche zeigt.

 

 

Das Modell lässt dabei die sportliche Performance der antretenden Athleten komplett außer Acht. Stattdessen werden mithilfe von Bevölkerungsgröße, Pro-Kopf-Einkommen, früherer Performance der Länder bei olympischen Wettkämpfen und dem Gastgebereffekt die Medaillen vorausgesagt. „Wie groß ist die Bevölkerung?“ lässt sich dabei übersetzen in „Wie groß ist der Pool verfügbarer Talente?“ und das Pro-Kopf-Einkommen gibt Aufschluss darüber, inwieweit es wahrscheinlich ist, dass den Athleten ausreichend Fördermittel zur Verfügung stehen (ob diese dann jedoch auch entsprechend eingesetzt werden, steht auf einem anderen Blatt). Länder, die sowohl eine große Bevölkerung als auch ein hohes Pro-Kopf-Einkommen aufweisen, haben dabei die besten Chancen auf viele Medaillen. Doch auch, wenn ein Faktor einen anderen überproportional kompensiert, wie das z.B. bei China mit einem überdurchschnittlich hohen Bevölkerungswachstum der Fall ist, ist ein großer Medaillensegen wahrscheinlich.

Und tatsächlich liegen die meisten Länder, allen voran die USA und China, gut im Rennen, wenn wir uns die vorhergesagte Medaillenanzahl anschauen. So konnten die USA bereits 38 Medaillen für sich verbuchen, während China auf 30 Medaillen kommt. Für das deutsche Team ist es dagegen noch ein weiter Weg, um die Prognose zu erfüllen. Aber es liegen ja auch noch neun Tage vor uns. Und in der Vergangenheit hat sich das Modell durchaus bewährt. So gab es bei den Spielen im Jahr 2012 eine 89%-Übereinstimmung mit dem vorhergesagten Medaillenregen für Deutschland, im Jahr 2008 für die vorhergesagten Goldmedaillen eine 88%- und im Jahr 2004 sogar eine 100%-Übereinstimmung.

Es besteht also durchaus noch Hoffnung, dass Deutschland die vorhergesagte 48-Medaillenmarke erreicht. Grund genug also die Olympischen Spiele zu verfolgen, auch wenn ein Wehrmutstropfen darin besteht, dass einige Disziplinen erst Mitten in der Nacht zu sehen sind. Dafür leidet dann die ohnehin aufgrund der Sommerferien gedrosselte Produktivität aber nicht mehr so sehr.