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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Wird sie oder wird sie nicht? | 26.08.2016
Es geht wieder los mit dem heiteren Ratespiel um den nächsten Zinsschritt der Fed. Und das bereits vier Wochen vor dem eigentlichen Zentralbanktreffen. Denn seit gestern trifft sich die geldpolitische Elite bei ihrem jährlichen Treffen in Jackson Hole. Ging es letztes Jahr noch um „Inflationsdynamik und Währungspolitik“, so steht dieses Jahr das Thema „Gestaltung eines robusten geldpolitischen Rahmens für die Zukunft“ im Fokus. Eigentlich warten Marktteilnehmer jedoch nur auf die heutige Rede Janet Yellens und den entscheidenden Hinweis, wann denn endlich die nächste Zinserhöhung kommt. Ist es im September soweit? Im November oder Dezember? Oder doch erst im nächsten Jahr?

Einiges spricht dafür, dass die Zinsen nach einem Dreivierteljahr mal wieder angehoben werden könnten. Eine Rekordbeschäftigung und robuster heimischer Konsum – die amerikanische Wirtschaft könnte sich schlechter präsentieren. Doch genau hier liegt die Crux: Es läuft nicht schlecht, doch nicht schlecht reicht manchmal nicht, wie unser Chart der Woche zeigt. Denn trotz eines robusten Arbeitsmarktes kommt die Inflation nicht in Gang. Zwar ziehen die Löhne mittlerweile an, um Arbeitnehmer zu halten oder zu rekrutieren, da die geringere Auswahl am Arbeitsmarkt zu Preisdruck führt. Doch die Lohnanstiege schlagen sich nicht in höheren Inflationszahlen nieder. Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Vollbeschäftigung vielleicht noch gar nicht erreicht ist. Oder aber, dass der Arbeitsmarkt mittlerweile gar keinen mehr so großen Einfluss auf die Inflation nimmt, wie auch der Anfang des Jahres veröffentlichte Wirtschaftsbericht des Rats der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses zeigt.

 

 

Egal wie, trotz ihrer zahlreichen Maßnahmen erfüllen die Zahlen immer noch nicht die Zielgrößen der Fed. Doch das hat sie andererseits auch nicht daran gehindert, im Dezember letzten Jahres die Zinsen zu erhöhen. So nimmt auch die Unruhe innerhalb des Gremiums zu, optimistischere Zentralbanker sehen durchaus Spielraum für eine Zinserhöhung – bereits im September. Anderseits ergibt es wenig Sinn, wenn die Fed die Zinsen erhöht und keine andere Notenbank auf der Welt folgt. Dann würde nämlich der Dollar noch stärker werden. Darüber hinaus könnten auch die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen die Fed vor einem Zinsschritt abhalten. Es bleibt also überaus verwirrend. Dass sich die Mitglieder des Zinsausschusses überaus uneinig präsentieren, trägt nicht gerade zur Entwirrung bei. So verwundert es nicht, dass die anhaltende Zinsdebatte Märkte verunsichert.

Vielleicht kommt heute Nachmittag ja der entscheidende Hinweis von Yellen. Und vielleicht wird auch die wundersame robuste monetäre Allzweckwaffe gefunden, die trotz Niedrigzinsumfeld und ausbleibender fiskalpolitischer Unterstützung volle Wirkungskraft entfaltet und den Industriestaaten zu neuem wirtschaftlichen Schwung verhilft. Tatsächlich werden wir uns jedoch erst einmal weiterhin im Niedrigzinsumfeld bewegen. Daran wird die Rede von Yellen nichts ändern und auch nicht das dreitägige Treffen in Jackson Hole.