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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Technik, Äpfel und die liebe Inflation | 09.09.2016
Die EZB lässt nichts unversucht: Die Bilanzsumme der Zentralbank erreicht mittlerweile 3,3 Billionen Euro, ihre Überschussliquidität – sprich, die Einlagen der Banken bei der EZB – summiert sich auf bereits über eine Billion Euro und sie pumpt weiterhin fröhlich Milliarden in den Markt. Aber die Inflation will immer noch nicht wirklich anziehen. So wurden beim gestrigen EZB Treffen die Inflationserwartungen für das kommende Jahr erneut leicht nach unten angepasst. Eine Inflationsrate von 0,2% für dieses Jahr und 1,2% für 2017 lassen nicht erkennen, dass das Inflationsziel der EZB von knapp unter 2% in naher Zukunft erreicht wird.

Und auch in Deutschland deutet eine erwartete Inflationsrate von 0,4% für dieses Jahr nicht auf rasante Preissprünge hin. Ein Anstieg des Preisniveaus auf breiter Front ist also für die kommenden Monate erst einmal nicht in Sicht.

Doch einen Blick auf die einzelnen Komponenten zu werfen, lohnt sich immer mal wieder. Denn die Preise für private Verbraucherausgaben sind teils extrem unterschiedlich. Gerade im Zeitverlauf zeigt sich bei einzelnen Komponenten eine teils erschreckende Entwicklung.

 

 

Ob Nahrungsmittel, Krankenversicherung oder eine Fahrt im Nahverkehr – wichtige Verbrauchsgüter haben sich im Zeitverlauf deutlich verteuert, wie unser Chart der Woche zeigt. Stark und stetig vergünstigt haben sich dagegen technische Geräte und Anwendungen. Bei Computer, Fernseher oder Internetanschluss kennt der Preis nur eine Richtung, und das bei immer mehr Leistungsmerkmalen. Das gilt übrigens nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Eurozone und große Industrienationen insgesamt.

Auch wenn viele Verbraucher ihr Smartphone und ihren Internetzugang ebenfalls zu überlebenswichtigen Dingen zählen und sich über mehr Leistung bei sinkenden Preisen freuen, ist der Anstieg von unverzichtbaren Konsumgütern wie Lebensmitteln schon besorgniserregend. Doch noch kostet ein Apfel natürlich auch nicht 759 Euro. Vielleicht sollte die EZB denn auch verstärkt in technische Geräte investieren – womöglich zeichnet sich dann auch irgendwann wieder ein Anstieg des Preisniveaus auf breiter Front ab.