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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Elektromobilität – hängt sie wirklich am Geld? | 16.09.2016
Eine Million soll es sein. Eine Million Elektroautos sollen im Jahre 2020 auf deutschen Straßen fahren, das hat sich zumindest die Bundesregierung zum Ziel gesetzt. Doch angesichts von derzeit gerade einmal rund 25.000 Fahrzeugen (Bestand Anfang 2016) klingt das doch sehr nach Zukunftsmusik. Als eines der wesentlichen Hindernisse hat die Bundesregierung offenbar den im Vergleich zu konventionell angetriebenen Fahrzeugen noch immer recht hohen Preis der Elektroautos ausgemacht. Um Autofahrern den Umstieg zu versüßen, wurde zusammen mit der Automobilindustrie ein mit 1,2 Milliarden Euro gefüllter Topf geschaffen, aus dem die Anschaffung eines reinen Elektroautos mit 4.000 Euro, die eines Plug-In-Hybridfahrzeugs immerhin mit 3.000 Euro gefördert werden kann. Damit versucht man anderen europäischen Ländern, die über Subventionen den Verkauf von Elektroautos deutlich gesteigert haben, nachzueifern. Liegt der schwache Absatz von Elektroautos in Deutschland aber wirklich nur am Preis?

Bemerkenswert an der Prämie ist dabei vor allem eines – ihr eher bescheidener Start. In den ersten beiden Monaten wurden bei der durchführenden Stelle, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, gerade einmal 3.027 Anträge über insgesamt knapp 11 Millionen Euro eingereicht. Wie unser Chart der Woche zeigt, wäre der Prämientopf bei diesem Tempo erst im Jahre 2034 geleert. Zum ausgerufenen Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 könnte er also nur einen geringen Beitrag leisten.

 

 

Natürlich handelt es sich dabei nur um eine Rechenspielerei. Für die Anlaufschwierigkeiten der Elektroprämie sind diverse Gründe denkbar, von mangelnder Bekanntheit bis zu Schwierigkeiten bei der Durchführung des elektronischen Antragsverfahrens. Dennoch scheint es nicht gerade so, als hätten Millionen Autofahrer nur auf einen kleinen finanziellen Griff unter die Arme gewartet, um endlich ihr ökologisches Gewissen beruhigen zu können.

Tatsächlich dürften es ganz praktische Erwägungen sein, die vielen Autofahrern den Umstieg erschweren. Noch immer können Fahrleistungen und Reichweite von Elektroautos in der Regel nicht mit denen konventioneller Fahrzeuge mithalten. Und wenn die Reichweite einmal erschöpft ist, ist ein Benzintank in wenigen Minuten voll, während selbst im für die Haltbarkeit schädlichen Schnellladeverfahren eine halbe Stunde vergeht, bis ein leergefahrener Akku wenigstens zu 80% geladen ist. Insofern man überhaupt eine Ladestation finden kann. Denn auch bei der Dichte von Ladestationen liegen andere europäische Länder vor Deutschland.

Zur wirksamen Förderung der Elektromobilität würde daher der Prämientopf der Bundesregierung vielleicht besser in die Ladeinfrastruktur investiert – schwerpunktmäßig in Großstädten. Denn der Preis ist nicht immer alles.