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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Die Woche der Notenbanker | 23.09.2016
Die lockere weltweite Geldpolitik geht eine Runde weiter. Bei den Notenbanktreffen der japanischen (BoJ) und der amerikanischen Zentralbank (Fed) diese Woche wurden zwar keine neuen Zinsentscheide getroffen, der Geldschwemme aber auch kein Ende gesetzt. Was bedeuten die Entscheidungen der Fed und der BoJ jetzt für die EZB?

Zunächst einmal: Einfacher wird es für die EZB durch die Entschlüsse diese Woche nicht, aber womöglich futuristischer. Denn gerade die BoJ zeigt der EZB immer wieder neue Wege auf, welche die europäische Zentralbank noch beschreiten könnte. So kauft sie neben Anleihen nicht nur schon Aktien, sondern hat auch einen gänzlich neuen Weg beschritten: Sie konzentriert sich nicht mehr auf das Volumen der Anleihekäufe, sondern auf die Zinssätze japanischer Staatsanleihen. Damit will sie die Zinsstrukturkurve kontrollieren. Konkret heißt das, dass die Bank einen Deckel auf die Rendite japanischer Staatsanleihen setzt, indem sie Anleihen so kauft, dass die Rendite 10-jähriger Anleihen bei null Prozent bleibt. Dadurch hofft die BoJ, die Renditen kurzfristiger und langfristiger Papiere wieder stärker voneinander zu trennen. Zudem hat sie angekündigt, solange Vermögenswerte zu kaufen, bis ihr Inflationsziel von 2% längerfristig überschossen wird. Durch diese Maßnahmen sollen nun die Inflationserwartungen angekurbelt werden, da trotz der zahlreichen Bemühungen die Inflation immer noch im Keller ist.

Ein möglicher Weg für die EZB? Denn die tut sich ebenfalls schwer damit, ihr Inflationsziel trotz der Geldschwemme zu erreichen. Und dass diese bei allen drei Zentralbanken durchaus üppig ist, zeigt unser Chart der Woche. Denn die Bilanzsummen der Zentralbanken haben bereits astronomische Höhen erreicht, auch wenn für die EZB noch durchaus Spielraum nach oben vorhanden ist. Doch ob die Maßnahmen beim Anblick dieser Bilanzsummen und immer noch niedriger Inflation tatsächlich helfen?

 

 

Hilfe aus den USA kann die EZB zumindest vorerst nicht erwarten. Gerade dadurch, dass die Fed die Füße still gehalten hat, wird es für die EZB nicht einfacher. Denn die Entscheidungen, bzw. das Nichtstun, der Fed beeinflussen die Wirkung der europäischen Geldpolitik vor allem über zwei Kanäle: den Euro-/Dollar-Wechselkurs und die langfristigen Zinsen.

Durch die Aussicht auf eine divergierende Zinspolitik ist der Euro immer schwächer geworden – was bis jetzt ein günstiger Nebeneffekt für die EZB war, da sich dadurch Exporte verbilligen und sich durch teurere Importe die Inflation erhöht. Doch bewegen möchte sich der Wechselkurs schon länger nicht mehr, wodurch der Druck auf die EZB steigt, die Zügel doch noch lockerer zu halten.

Gleichzeitig führt die Vertagung der möglichen Leitzinserhöhung in den USA dazu, dass aus Übersee kein Druck nach oben auf die langfristigen Zinsen in Europa ausgeübt wird. Falls die EZB auf Hilfe aus den USA gehofft hatte, um das Knappheitsproblem beim Aufkaufen von Staatsanleihen zu beheben, hat sie sich geirrt. Damit der EZB die Anleihen also nicht ausgehen, muss sie jetzt wohl selbst in Aktion treten. Mögliche Lösungen für das Knappheitsproblem wären der Kauf von Bankanleihen oder Aktien, das Anheben des Ankaufslimits von 33% auf 49,9% oder die Wegnahme des Einlagezinses als Renditeuntergrenze. Die meisten dieser Maßnahmen sind allerdings politisch umstritten. Daher wird die EZB wohl im Oktober nur das Anheben des Ankauflimits auf 49,9% ankündigen. Mehr nicht. Japanische Erfindungen bei der Geldpolitik brauchen immer etwas länger bevor sie nach Europa überschwappen.

Die Woche der Notenbanken hatte also mehrfache Auswirkungen auf die EZB: während die Fed ihr das Leben nicht einfacher gemacht hat, gibt Japan einen kleinen Vorgeschmack auf das, was alles noch kommen könnte.