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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Kommen die Hubschrauber? | 14.10.2016
Für die kommende Woche steht wieder einmal eine Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank auf dem Kalender. Seit einiger Zeit schon wird EZB-Präsident Mario Draghi auf den Pressekonferenzen, die diesen Sitzungen folgen, mit schöner Regelmäßigkeit nach dem Thema „Helikoptergeld“ gefragt. Mit gleicher Regelmäßigkeit lautete die Antwort des Italieners bislang stets, dass dieses Thema im Rat nicht diskutiert worden sei. Obwohl dies die wohl deutlichste Form einer Absage ist, die ihm zur Verfügung steht, ohne sich für die Zukunft zu sehr festzulegen, herrscht in der Medienöffentlichkeit offenbar das Bild vor, dass nach den bisherigen unkonventionellen Maßnahmen der EZB die Verteilung von Geld unter der Bevölkerung nur ein logischer nächster Schritt wäre, um Inflation und Wirtschaftswachstum kräftiger als bisher anzukurbeln.

Ob eine solche Maßnahme von Erfolg gekrönt wäre, dürfte vor allem davon abhängen, ob dieses Geld seinen Weg in die Realwirtschaft finden würde – was ja schon das zentrale Problem der bisherigen Maßnahmen der EZB ist. Um diesen Aspekt zu beleuchten, wurde im Rahmen einer Umfrage der ING-DiBa in 13 europäischen Ländern gefragt, wie Konsumenten mit einem Betrag von 200 Euro umgehen würden, der ihnen ein Jahr lang jeden Monat zur Verfügung gestellt würde.

 

 

Wie unser Chart der Woche zeigt, gibt hierzulande nur eine Minderheit von 26% (europaweit: 25%) an, dass der Großteil dieses Geldes in den Konsum fließen würde. Mehr als die Hälfte davon würde auch keine zusätzlichen Anschaffungen tätigen, sondern lediglich notwendige Ausgaben bestreiten, die ohnehin angefallen wären, wie Miete bzw. Hypothekenraten, Lebensmittel oder Versicherungsbeiträge. In Deutschland wie auch in ganz Europa würden hingegen rund zwei Drittel den Geldsegen auf dem Konto belassen, sparen, anlegen oder damit bestehende Schulden reduzieren.

Das Problem, unter dem schon die bisherigen Maßnahmen der EZB leiden, zeigt sich also auch beim Thema „Helikoptergeld“ – auch hier würde nur ein vergleichsweise geringer Teil der zusätzlichen Liquidität in realwirtschaftliche Aktivitäten fließen. Denkbar wäre natürlich beispielsweise die Ausgabe von Konsumgutscheinen statt einer Überweisung. Hiermit ließe sich zwar sicherstellen, dass das Geld von der Zentralbank seinem vorgesehenen Zweck zugeführt wird – allerdings könnten sparwillige Verbraucher dann mit diesen Gutscheinen ihre ohnehin anfallenden Ausgaben tätigen und das dadurch freiwerdende Geld auf die hohe Kante legen. Auch eine Beschränkung solcher Gutscheine auf gewisse Gütergruppen, die nicht zum alltäglichen Konsum gehören, könnte dazu führen, dass lediglich für die Zukunft geplante Anschaffungen vorgezogen werden. Somit hätte man zwar einen sofortigen Einmaleffekt, der aber auf Kosten des zukünftigen Konsums ginge. Am grundsätzlichen Problem würden also auch derartige Winkelzüge nichts ändern.

Höchstwahrscheinlich wird Mario Draghi auch auf der nächsten Pressekonferenz wieder nach „Helikoptergeld“ gefragt werden – fraglich, ob seine Antwort dieses Mal eine andere sein wird als bisher.