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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Angriff der Mixer und Kühlschränke | 28.10.2016
Das ist nicht der Titel eines neuen Horrorfilms so kurz vor Halloween. Vielmehr steht der Titel exemplarisch für den weltweiten Hackerangriff, der letzten Freitag etliche Websites und Soziale Netzwerke lahmgelegt hat. Die Attacke zeigt die Schattenseiten des „Internets der Dinge“, von dem Ökonomen sich die nächste industrielle Revolution erhoffen.

Dieser Oberbegriff steht für die weltweite Vernetzung von Maschinen, Computern und Menschen. Schätzungen alleine für das nicht mehr allzu weit entfernte Jahr 2020 schwanken zwischen 20 und 50 Milliarden vernetzter Geräte aller Art. Smarte Gebäude, die ihre Klimatisierung vorab der Wettervorhersage anpassen und den dafür anfallenden Energiebedarf dem Versorgungsunternehmen melden, um dort eine bessere Planung zu ermöglichen. Fahrzeuge, die miteinander kommunizieren, um Staus und Unfälle zu vermeiden oder die Routen von Außendienstlern zu optimieren. Maschinen, die entlang der Fertigungskette vernetzt sind und drohende Ausfälle oder Engpässe selbständig erkennen. Echtzeitinformationen aus der Logistik, die Just-in-Time-Produktion auf ein neues Level heben. Und natürlich unzählige weitere Anwendungsmöglichkeiten, an die jetzt noch niemand denkt. Wie unser Chart der Woche zeigt, erwarten beispielsweise die Experten des Netzwerkausrüsters Ericsson, dass bereits im Jahre 2018 nicht mehr Mobiltelefone die größte Gruppe vernetzter Geräte stellen.

 

 

Das Internet der Dinge hat mittlerweile auch in unseren privaten Alltag Einzug gehalten. Wir aktivieren per App unsere Heizungssteuerung, wenn wir Feierabend machen, damit wir es gemütlich warm haben, sobald wir nach Hause kommen. Wir programmieren den Festplattenrekorder von unterwegs und der Kühlschrank bestellt knappe Lebensmittel selbständig nach. Die Überwachungskamera informiert uns per Smartphone im Urlaub, wenn sie Bewegung in unserem Garten feststellt – und wir können mittels Livebild beruhigt feststellen, dass nur das Nachbarskind den über den Zaun geschossenen Ball zurückholt. Alle diese Geräte sind mit dem Internet verbunden und werden von einer Software gesteuert, die ein potenzielles Angriffsziel für einen Hacker sein kann. Sicherlich haben Sie ein aktuelles Antivirenprogramm auf Ihrem Computer – aber wer führt schon regelmäßige Softwareupdates für das Babyfon oder den Herd durch?

Und genau diese Sicherheitslücke haben Hacker letzten Freitag genutzt, um ihren weltweiten Angriff zu starten. Ein von einem Schadprogramm befallener Drucker alleine kann nicht viel Schaden anrichten – aber eine Vielzahl online gekaperter Geräte überlastete einen wichtigen Knotenpunkt mit sinnlosen Anfragen. Die meisten Verbraucher haben den Ausfall von Sozialen Netzwerken nur kurz zur Kenntnis genommen. Dabei sollte es ein Weckruf gewesen sein, dass man dem Internet der Dinge, mit all seinen Vorteilen, nicht zu blauäugig gegenüberstehen sollte. Jedenfalls wenn man nicht möchte, dass die abwegigsten Horrorfilmtitel irgendwann mal Wirklichkeit werden.