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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Trumps Handelspläne – Leere Drohungen oder Anfang eines Handelskriegs? | 27.01.2017
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hat Präsident Trump ganze Arbeit geleistet, indem er bereits einige seiner Versprechen in die Wege geleitet hat. Ob Mauerbau, Infrastrukturinvestitionen oder die Aufkündigung von Handelsabkommen – in den ersten Tagen lässt Trump Worten Taten folgen. Das kommt auch der britischen Premierministerin Theresa May ganz recht, die sich heute mit dem Präsidenten trifft und der aufgrund des nahenden Brexit bilaterale Handelsabkommen gerade gelegen kommen. Die Annäherung von Trump und May zeigt allerdings auch, dass es dem neuen Präsidenten vor allem um das Provozieren geht und nicht alles einer gradlinigen Wirtschaftspolitik folgt. Die Androhung von Strafzöllen und das Spiel mit einem bilateralen Handelsabkommen mit den Briten verdeutlicht, dass Trump vor allem darauf aus zu sein scheint, anderen Exportnationen zu schaden.

Dass mögliche amerikanische Strafzölle gerade den großen Exportnationen ungelegen kommen, zeigt unser Chart der Woche. Denn Nummer 1, 2 und 3 der Exportmeister führen enge Handelsbeziehungen miteinander. Immerhin fast 10 % des deutschen Exports gehen in die USA, aus China sind es sogar rund 20 %. Die USA sind für beide Länder der wichtigste Handelspartner. Dabei fällt jedoch auf, dass sowohl China als auch Deutschland ein größeres Interesse an starken Handelsverflechtungen mit den USA haben als umgekehrt. Während chinesische als auch deutsche Exporte in die USA rund 4 % des jeweiligen BIP ausmachen, sind es umgekehrt nur 0,6 % bzw. 0,3 %. So verwundert es nicht, dass Trump an Handelsabkommen schrauben möchte, über Importzölle nachdenkt und gleichzeitig die deutschen Unternehmer anfangen zu zittern. Der Fall des Ifo-Index im Januar war daher keine Überraschung.

 

 

Noch könnten die Drohungen aber nur heiße Luft sein und nicht final umgesetzt werden, Trumps Sprecher rudert nicht zum ersten Mal nach fragwürdigen Äußerungen des Präsidenten zurück. Wenn Trump allerdings wirklich mit Strafzöllen Ernst macht, werden nicht nur China und Europa getroffen. Selbst ohne Gegenmaßnahmen von anderen Ländern führt mehr Protektionismus zu mehr Inflation in den USA. Die amerikanischen Löhne müssten dann schon sehr stark steigen, will Trump, dass es seinen Wählern wirklich besser geht.

Während die eine Großmacht, die bis dato für Freihandel und als Beschützer der westlichen Welt stand, also zusehends auf Abschottung und Protektionismus vor der internationalen Gemeinschaft zusteuert, steht eine andere Großmacht, China, bereit, die amerikanische Lücke zu schließen. Verkehrte Welt, möchte man meinen. Doch der chinesische Präsident Xi Jinping hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos verkündet, gegen Protektionismus und für Globalisierung einzustehen.

Bisher versucht Trump, seine Wahlversprechen so schnell wie möglich in Taten umzusetzen. Sollte ihm das auch bei der Handelspolitik gelingen, wird aus leeren Drohungen ganz schnell ein Handelskrieg, der letztendlich nur Verlierer kennen wird.