Publikationen

Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Kann man einem Roboter in die Tasche greifen? | 17.03.2017
Seitdem sie in den 1950er Jahren durch Filme wie „Gefahr im Weltall“ Eingang in die Popkultur fanden, hat sich an der Wahrnehmung von Robotern einiges geändert. Im weitesten Sinne androide (menschenähnliche) Roboter wie C-3PO aus „Star Wars“ oder Data aus „Star Trek“ bleiben fast ausschließlich der Science Fiction vorbehalten. Maschinelle Arbeit hingegen ist aus der industrialisierten Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und wird den Arbeitsmarkt weiterhin grundlegend verändern.

Auch wenn es über die genauen Auswirkungen der Roboterisierung auf den Arbeitsmarkt noch stark unterschiedliche Meinungen gibt – die Tatsache, dass es einschneidende Veränderung gibt, ist unumstritten. Wie mit dieser Entwicklung umgegangen werden kann, ist Gegenstand umfangreicher Diskussionen. So meldete sich kürzlich Bill Gates mit einem interessanten Vorschlag zu Wort: Der Wegfall der Steuern, die zuvor auf Einkommen aus mittlerweile wegautomatisierter Arbeit erhoben worden waren, solle durch eine Steuer auf den Einsatz der Roboter kompensiert werden, die diese Arbeit jetzt erledigen. Einen ähnlichen Steuervorschlag hat das EU-Parlament erst kürzlich aus dem Entwurf einer Resolution gestrichen, will aber ein Regelwerk für den Einsatz von Robotern und beispielsweise selbstfahrenden Autos aufbauen.

 

 

Viele Ökonomen sind allerdings skeptisch. So sei es schwierig, zwischen Technologien zu differenzieren, die menschliche Arbeit unterstützen, und solchen, die sie ersetzen. Außerdem sehen sie stagnierende Produktivität als eine der größten wirtschaftlichen Herausforderungen (vgl. hierzu auch eine unserer eigenen Studien) und sprechen sich daher gegen eine steuerliche Belastung von Innovationen aus. Vielmehr müsse die Beteiligung der arbeitenden Bevölkerung an der Wertschöpfung insgesamt verbessert werden – eine Aufgabe für die Politik, bei der sie jedoch bislang keine allzu großen Erfolge zu verzeichnen hat.

Das deutet bereits an, dass wir eigentlich vor einem Verteilungs- und nicht vor einem technischen Problem stehen. Die Robotersteuer ist letztlich nur ein Versuch, einer höheren direkten Besteuerung von Kapitalerträgen aus dem Weg zu gehen. Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, welchen der Gates-Vorschlag außer Acht lässt. Billige, d.h. unqualifizierte menschliche Arbeit, ist im Überfluss vorhanden – was dazu führt, dass Löhne vor allem für ungelernte Arbeiter unter Druck geraten sind. Wenn auf lange Sicht Roboter im gleichen Übermaß vorhanden sind – warum sollte dann auf deren Arbeit ein „fairer“ Anteil an der Wertschöpfung entfallen, wenn das schon mit der menschlichen Arbeit nicht funktioniert? Aus Sicht des Steueraufkommens wären die Roboter von demselben Problem betroffen wie die menschlichen Arbeitskräfte, die sie ersetzt haben (und deren Lebensunterhalt ja auch noch bezahlt werden müsste). Einfach nur Roboter statt Menschen zu besteuern, wird also nicht ausreichen, um die möglichen sozialen Folgen der Roboterisierung aufzufangen – nach Antworten wird weiterhin gesucht.