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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Kein 500er? Kein Grund zur Panik. | 26.04.2017
Seit nicht ganz einem Jahr ist es Gewissheit: Die Eurozone wird sich langfristig von ihrer größten Banknote, dem 500-Euro-Schein, verabschieden. Am 04.05.2016 beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank, dass ab Ende 2018 keine neuen 500er mehr ausgegeben werden. Im Umlauf befindliche Banknoten behalten bis auf weiteres zusammen mit den übrigen Euroscheinen der ersten Serie ihre Gültigkeit und können zeitlich unbegrenzt bei den nationalen Notenbanken wie der Bundesbank eingetauscht werden. Begründet wurde dieser Schritt mit der Bedeutung des Geldscheins für illegale Aktivitäten.

Dieser Beschluss der EZB kam in einer Phase, in der bereits über den Sinn des Bargelds und seine mögliche Abschaffung diskutiert wurde, und heizte die hierzulande ohnehin schon emotionale Debatte weiter an. Als Einstieg in den Ausstieg aus dem Bargeld werteten Kritiker diese Entscheidung, als einen Schritt auf dem Weg zum gläsernen Bürger und zur kalten Enteignung durch Negativzinsen, denen sich der Sparer nicht mehr durch Bargeldhaltung würde entziehen können. Das klare Bekenntnis der EZB zu den nächstgrößeren Banknoten im Wert von 100 und 200 Euro, deren zweite Serie sich derzeit in Vorbereitung befindet, verhallte damals weitgehend ungehört.

 

 

Unabhängig von dieser Diskussion schätzen deutsche Konsumenten die praktischen Folgen einer Abschaffung des größten Euroscheins aber als gering ein. Wie unser Chart der Woche zeigt, erwarten nur knapp über 6% der Befragten Auswirkungen auf ihre persönlichen Finanzen – damit liegen die Deutschen nur leicht über dem europäischen Durchschnitt. Dies ist eines der Ergebnisse einer Umfrage der ING-DiBa in 13 europäischen Ländern sowie Australien und den USA. Im Rahmen der Umfrage wurden fast 15.000 Verbraucher zu ihren Einstellungen und Gewohnheiten rund um Bargeld, dessen rückläufige Nutzung und die Abwicklung von Zahlungen befragt.

Kritischer wird eine mögliche Abschaffung der größten Banknote anderswo gesehen – wobei dieser Vergleich natürlich hinkt, denn der Wert, den diese jeweils darstellt, ist von Währungsraum zu Währungsraum verschieden. So ist die größte in den USA verwendete Note der 100-Dollar-Schein mit einem Gegenwert von derzeit rund 92 Euro – die türkische 200-Lira-Note ist sogar nur rund 51 Euro wert. Kein Wunder, dass der Gedanke an eine Abschaffung dieser Scheine den dortigen Verbrauchern stärkere Bauchschmerzen bereitet, als das bei der im Alltag nur selten verwendeten 500-Euro-Note der Fall ist. Entspannter als die Deutschen sind hingegen die Briten: Trotz eines vergleichsweise geringen Gegenwerts von aktuell 59 Euro würde eine Abschaffung der 50-Pfund-Note ihnen keine schlaflosen Nächte bereiten. Abwarten und Tee trinken, wäre vermutlich die Devise.