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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Die unsichtbare Gefahr | 19.05.2017
Die wirtschaftliche Stimmung in der Eurozone ist auf den höchsten Stand seit fast zehn Jahren geklettert und der Wirtschaftsaufschwung wird von nahezu allen Eurozonenländern getragen. Eigentlich rosige Zeiten, wären da nicht geopolitische Turbulenzen und diplomatische Verstimmungen. Neben diesen offensichtlichen Unsicherheitsherden lauert aber noch eine ganz andere Gefahr, die auf den ersten Blick weder sichtbar noch hörbar ist: Cyberattacken.

Nachdem es bereits im Oktober letzten Jahres in den USA eine größere Attacke über internetfähige Haushaltsgeräte auf Internetdienstleister gab, hat die Schadsoftware „WannaCry“ am vergangenen Wochenende noch einmal eine ganz neue Dimension der Anfälligkeit digitaler Netze aufgezeigt. In 150 Ländern wurden an die 200.000 Rechner blockiert, Krankenhäuser, Universitäten und Ministerien waren unter anderem unter den Betroffenen. Alleine im Jahr 2016 wurden laut der Software-Firma Symantec 1.271 Angriffe pro Tag entdeckt – und diese Zahl gibt nur die Ransomware-Angriffe, also derjenigen Software, welche die Daten eines Computers verschlüsselt, wider. Angriffe durch Malware, Phishing oder bösartige Bots sind in dieser Zahl nicht enthalten. 

 

Dass solche Cyberattacken nicht spurlos an der Wirtschaft vorbeigehen, zeigen wir in unserem Chart der Woche. So rangierte der Schaden der größten Cyberattacke auf ein Unternehmen in den letzten 12 Monaten zwischen 22.000 Euro und 92.000 Euro. Große Firmen werden dabei öfter ins Visier genommen als kleine Firmen, zudem fällt die Schadenssumme nominal höher aus. Da größere Firmen jedoch generell besser gegen Attacken geschützt sind, fällt der Schaden bei kleineren Firmen oft stärker ins Gewicht. US-amerikanische Firmen scheinen dabei mit kostspieligeren und ernsteren Attacken konfrontiert zu sein – die hohe Anzahl an niedergelassenen Firmen machen die USA zu einem beliebten Ziel. In Deutschland werden vor allem Firmen aus den Bereichen Finanzdienstleistungen, Medien sowie Fertigung und Technologie attackiert.

Dabei stehen nicht nur Firmen auf der Liste von Cyberkriminellen, Regierungen und öffentliche Institutionen sind ebenfalls beliebte Ziele. Allein im Jahr 2016 ist der globalen Wirtschaft laut dem Spezialversicherer Hiscox ein Schaden von über 400 Milliarden Euro entstanden. Und wir stehen noch lange nicht vor dem Ende einer digitalisierten Welt – mit der zunehmenden globalen Vernetzung von Geräten, Fahrzeugen, sowie mehr Industrie- und Haushaltsrobotern werden auch die Attacken zahlreicher und haben eine größere Reichweite.

Die Bundesregierung hat das Thema Cybersicherheit zu einem Schwerpunkt ihrer diesjährigen G20-Präsidentschaft gemacht. Und das ist auch notwendig. Denn 39% der befragten deutschen Unternehmen sind nicht ausreichend auf Cyberattacken vorbereitet, zudem gaben lediglich 43% an, dass die Regierung genug tue, um Unternehmen vor Cybervorfällen zu schützen. Mit der näher rückenden Bundestagswahl auch ein Thema, das sich die Parteien nicht nur auf ihre Fahne schreiben, sondern auch zügig vorantreiben sollten.