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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Nur eine weitere Verzögerung im fortwährenden griechischen Drama
Nach Exposition, Steigerung und Peripetie befinden wir uns im griechischen Drama wieder einmal in einem der zahlreichen retardierenden Momente. Der Vorhang hebt und senkt sich, das Bühnenbild bleibt jedoch stehen. Die Auflösung des Konflikts – die Komödie – oder der letztliche Untergang – die Tragödie – lässt auch nach Jahren noch immer auf sich warten.

Neue Hilfsgelder ja, Schuldenschnitt nein
Auch beim gestrigen Eurogruppentreffen wurde den Zuschauern ein großer Durchbruch präsentiert, der jedoch nichts anderes als ein Aufguss des typischen europäischen Durchwurschtelns war. Am Ende des Abends wurde verkündet, dass die europäischen Gläubiger Griechenland die nächste Scheibe des Rettungspaketes in Höhe von 8,5 Milliarden Euro auszahlen. Dieses Geld kommt aber nicht in der griechischen Wirtschaft an, sondern muss verwendet werden, um Kredite und Zinsen in Höhe von 7 Milliarden Euro zurückzuzahlen. Also hätten die Gläubiger das Geld eigentlich auch gleich bei sich lassen können.

Trotz dieser „Einigung“ gibt es keinen Schuldenschnitt und auch der Internationale Währungsfonds hat noch nicht seine Teilnahme am dritten Rettungspaket zugesagt. Vom IWF kommt erst Geld, wenn sich Europa und Griechenland auf einen Schuldenschnitt geeinigt haben. Ein Streitthema, das sich seit Monaten hinzieht. Die europäischen Gläubiger haben zwar gestern ihre allgemeine Bereitschaft zu weiteren Erleichterungen bestätigt (z.B. eine Verlängerung und Stundung der durchschnittlichen Laufzeit von Krediten und Zinsen um bis zu 15 Jahre oder aber auch eine Anpassung der Kreditrückzahlung an das Wirtschaftswachstum) – in der nächsten Zeit wird es hier jedoch keine konkreten Fortschritte geben.

Der Schuldenschnitt bleibt also das Zuckerbrot, mit dem die europäischen Gläubiger Griechenland zum weiteren Reformieren bewegen wollen. Natürlich hätten Schuldenerleichterungen momentan keine Wirkung für Griechenland, da es sich gar nicht am Finanzmarkt finanziert. Mit Schuldenerleichterungen könnten allerdings die sehr ambitionierten Zielstellungen für den jährlichen Haushaltsüberschuss abgeschwächt werden und so Griechenland mehr Raum geben, um über Investitionen mehr Wachstum zu bekommen.

 

 

Das größte Problem Griechenlands ist das schwache Wachstum
Denn dass diese noch einiges an Boden gut zu machen haben, zeigen wir in unserem Chart der Woche. Während Exporte schon fast wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht haben, hinken vor allem Investitionen hinterher. Das größte Problem von Griechenland ist das nach wie vor schwache Wachstum. Ebenso wie sich die Gläubiger immer noch streiten, bestehen auch immer noch Kapitalverkehrskontrollen, die Notfall-Liquiditätshilfe ELA ist weiterhin aufrecht und griechische Anleihen werden von der EZB nach wie vor nicht in das QE-Programm aufgenommen.

Doch einen kleinen Lichtblick gibt es: Zumindest der Start ins neue Jahr verlief gar nicht mal so schlecht, wenn man den Zahlen glauben mag. So wuchs die griechische Volkswirtschaft im ersten Quartal um 0,4% gegenüber dem Vorquartal und damit so stark wie Frankreich, Italien oder die Niederlande. Nichtsdestotrotz bleiben zahlreiche Sektoren noch weit von ihren Vorkrisenniveaus und auch das BIP vom Eurozonen-Durchschnitt von 0,6% entfernt.

Vielleicht gefällt das griechische Drama einfach zu gut?!
Auch in Europa scheint es, dass man nicht so richtig zum Schluss kommen möchte. Vielleicht gefällt das Drama einfach zu gut?! Irgendwann wird sich jedoch zeigen, ob es sich beim griechischen Stück um eine Komödie oder eine Tragödie handelt. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer schwindet bei dieser zähen Handlung zunehmend und vielleicht bekommt das große Finale dann gar nicht mehr die Aufmerksamkeit, die es ohne die zahlreichen verzögernden Momente bekommen hätte.