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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Den G20-Gipfel als gemeinsame Chance nutzen
Zwei Tage lang wird das hanseatische Gemüt auf die Probe gestellt. Dann nämlich, wenn sich nächste Woche die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Volkswirtschaften in Hamburg treffen, um über die Weltwirtschaft, Klimaschutz, Migration und Digitalisierung zu sprechen.

Der Internationale Währungsfonds ist von Trumps Agenda nicht überzeugt
Themen, die für einige hitzige Diskussionen sorgen könnten, hat sich US-Präsident Trump doch für mehr Protektionismus, Abschottung und gegen Klimaschutz ausgesprochen. Nicht nur Bundeskanzlerin Merkel hat Trump im Vorfeld des diesjährigen G20-Gipfels aufgrund seiner protektionistischen Einstellung scharf kritisiert, auch der Internationale Währungsfonds (IWF) zweifelt an der wirtschaftlichen Ausrichtung der Republikaner und hat seine Wirtschaftsprognose für dieses und nächstes Jahr nach unten revidiert. Das von Trump erwartete und angekündigte Wirtschaftswachstum von 3 Prozent ist in weite Ferne gerückt, denn nach wie vor fehlen Details zum eigentlichen Regierungsprogramm. Andererseits sieht sich das Land einer Reihe von tiefsitzenden Problemen gegenüber, wie unser Chart der Woche zeigt, und das obwohl die Wirtschaft robust wächst und Vollbeschäftigung herrscht.

 

 

Tiefsitzende Probleme trotz Vollbeschäftigung und robustem Wirtschaftswachstum
So stagnieren Löhne – laut IWF verfügt mehr als die Hälfte der US-Haushalte über ein geringeres Einkommen als noch im Jahr 2000 –, viele Arbeitnehmer sind entmutigt und nehmen nicht am Wirtschaftsleben teil und die USA verzeichnen eine der höchsten Armutsquoten unter fortgeschrittenen Volkswirtschaften, ganz zu schweigen von einer unzureichenden Gesundheitsversorgung. Gegenüber anderen OECD-Ländern hat sich die Position der USA im Zeitverlauf in allen hier dargestellten Bereichen verschlechtert. Zudem wird das Land von säkularen Faktoren wie dem technologischen Wandel, einem geringen Produktivitätswachstum und einer alternden Bevölkerung zusätzlich strapaziert.

Mit säkularen Faktoren haben alle großen Volkswirtschaften zu kämpfen
Mit den eben genannten Faktoren haben jedoch nicht nur die USA, sondern alle hochentwickelten Volkswirtschaften zu kämpfen. Und diese bestehen unabhängig davon, dass die wirtschaftliche Stimmung sich auf Allzeithochs befindet und die Sorgen der letzten Monate hinter einem robusten Wirtschaftsaufschwung verschwunden sind. Protektionismus und Abschottung helfen in diesem Zusammenhang wenig. Der G20-Gipfel böte die Chance, einen Schritt in eine gemeinsame Richtung zu gehen. Denn die großen Herausforderungen unserer Zeit machen nicht an Grenzen halt, wie es Merkel treffend formulierte. Für wirkliche gemeinsame Lösungen lassen die Hanseaten ihre Geduld sicherlich gerne auf die Probe stellen.