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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Living single
In 41 Prozent der deutschen Haushalte lebte im Jahr 2016 nur eine Person, so ließ sich dieser Tage das Statistische Bundesamt vernehmen, das die 41 daraufhin sogar zu seiner „Zahl der Woche“ krönte. In der Tat ist dies mit Abstand der höchste Wert unter den bevölkerungsreicheren EU-Staaten – nur in den vergleichsweise kleinen nordeuropäischen Ländern finden sich teilweise höhere Quoten. Auch die durchschnittliche Haushaltsgröße liegt nur in Schweden mit 1,9 Personen unter dem deutschen Wert von 2,0.

Der Trend geht dabei für fast alle Länder eindeutig nach oben: Wie unser Chart der Woche zeigt, stieg während des letzten Jahrzehnts nahezu überall der Anteil der Einpersonenhaushalte an. Bedeutung hat diese Entwicklung vor allem für den Immobilienmarkt, denn Singlehaushalte haben tendenziell einen höheren Pro-Kopf-Flächenbedarf: Auch wer alleine wohnt, benötigt eine Küche und ein Bad – Räume, die sich in größeren Haushalten mehrere Personen teilen können.

 

 

Gebaut wird wieder - aber falsch
Auch unter dem Gesichtspunkt der Urbanisierung ist der Trend zum Einpersonenhaushalt von Bedeutung. Zwar werden in Deutschland wieder mehr Wohnungen gebaut, doch oftmals an falscher Stelle: Mit Neubauten auf dem flachen Land lässt sich der Druck auf den angespannten Wohnungsmarkt vieler Großstädte nicht abbauen. In den Städten ist Bauland jedoch logischerweise knapp. Da würde es sich anbieten, möglichst viele, kleinere Wohnungen darauf zu errichten – zumal die im Schnitt vergleichsweise kleinen deutschen Haushalte auch eher kleine, bezahlbare Wohnungen benötigen. Doch Immobilienentwickler nutzen das teure städtische Bauland lieber für luxuriöse Wohnträume, die ihnen vor allem in „Hotspots“ wie München oder Berlin von zahlungskräftigen Kunden aus aller Welt aus den Händen gerissen werden.

Von Seiten der Politik ergriffene Maßnahmen wie die „Mietpreisbremse“ haben sich bislang als weitgehend wirkungslos erwiesen, um dem Preisanstieg und dem Wohnungsmangel in deutschen Großstädten zu begegnen. Vielleicht sollte sich der Staat stattdessen auf dem Gebiet der Partnervermittlung engagieren, um den Trend zum Singlehaushalt zu brechen – schließlich braucht man auch zu zweit nur eine Küche und (meistens) nur ein Bad.