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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Kein Feuerwerk in Jackson Hole
Es ist wieder die Zeit im Jahr, in der sich alle Köpfe erwartungsvoll in Richtung eines kleinen beschaulichen Städtchens in den USA drehen. Seit gestern trifft sich die Notenbankelite bis Samstag in Jackson Hole, um über ökonomische Fragen und vor allem die Geldpolitik zu diskutieren.

Seit 1978 versammeln sich die wichtigsten Notenbanker in den beschaulichen Bergen von Wyoming, dieses Jahr um über die „Förderung einer dynamischen Weltwirtschaft“ zu sprechen. So jedenfalls das offizielle Thema dieser eigentlich eher akademischen Konferenz.

Die Hoffnung auf geldpolitische Hinweise ist da, ...
Ein Titel, der die Herzen vieler Marktteilnehmer nicht sofort höher schlagen lässt. Warum also bekommen diese Treffen so viel Aufmerksamkeit? Neben inhaltlichen Debatten und Gesprächen auf wissenschaftlicher Ebene geht es auch immer unweigerlich um konkrete Hinweise auf die zukünftige Ausrichtung der Geldpolitik. Sowohl die Fed als auch die EZB stehen vor der Mammutaufgabe, die lockere Geldpolitik der letzten Jahre langsam wieder zurückzufahren. Auch jetzt erhoffen sich Markteilnehmer Hinweise auf die zukünftige Richtung.

 

 

... denn vergangene Treffen waren durchaus bedeutend
Denn in der Vergangenheit hatten Aussagen von Zentralbankern bei diesen Treffen durchaus Gewicht, wie unser Chart der Woche zeigt. So signalisierte z.B. der damalige US-Notenbankchef Ben Bernanke 2010 den baldigen Start eines zweiten Anleihekaufprogramms – insgesamt gab es in den USA zwischen 2008 und 2014 drei verschiedene Runden, in denen Anleihen gekauft wurden – und 2012 des dritten QE-Programms. Kurze Zeit später reagierten die Märkte, hier ausgedrückt als Euro-Dollar-Wechselkurs. Der Dollar wurde angesichts der zu erwartenden Geldschwemme schwächer und der Euro stärker. Und auch EZB-Chef Mario Draghi hat im Jahr 2014 eine bedeutsame Rede gehalten, in der er unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen, wie das QE-Programm, nicht mehr prinzipiell ausschloss. Der Wechselkurs reagierte entsprechend und der Euro wurde nach unten gedrückt. Einige Monate später wurden die milliardenschweren Anleihekäufe gestartet.

Doch dieses Mal gibt es kein Feuerwerk
Und dieses Mal? Um 13 Uhr Ortszeit, bzw. um 21 Uhr bei uns, werden Draghis Kommentare mit gespitzten Ohren verfolgt werden, während Fed-Chefin Janet Yellen sich fünf Stunden vorher die Ehre gibt. Doch das große Feuerwerk sollte ausbleiben. Da sich die Fed erstmal auf die Reduzierung ihrer Bilanzsumme konzentrieren sollte und somit erst im Dezember wieder ein Zinsanstieg im Raum steht, wird sie sich nicht in nächster Zeit festnageln lassen wollen. Und auch EZB-Präsident Draghi hat keine Eile, zwei Wochen vor dem nächsten Zentralbanktreffen Großes anzukündigen – vor allem weil eine Marktbewegung wie nach der Sintra-Rede tunlichst vermieden werden soll. Daher dürfte das diesjährige Notenbanktreffen wieder mehr der ursprünglichen Idee der Jackson Hole Treffen entsprechen: auf technischer und wissenschaftlicher Ebene ökonomische Fragestellungen, Implikationen und politische Optionen zu diskutieren, anstatt sich dem nächsten Zinsschritt zu widmen.