Insights

Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Eine andere Form von Gender Gap
Verbraucher in ganz Europa meinen, dass Frauen besser mit Geld umgehen können als Männer. Das ist eines der Ergebnisse einer Umfrage der ING-DiBa in 12 europäischen Ländern, in deren Rahmen Konsumenten zu ihrer finanziellen Bildung und verschiedenen finanzbezogenen Verhaltensweisen befragt wurden. Dabei fand sich kein einziges Land, in dem die Befragten den Männern größere Fähigkeiten im Umgang mit Geld zugetraut hätten – auch wenn sich in den meisten Ländern eine Mehrheit der Befragten gar nicht festlegen wollte.

Einen interessanten Zusammenhang offenbart dabei der Blick auf die Frage, ob Männer und Frauen dem eigenen oder dem anderen Geschlecht in der Verwaltung von Geld mehr zutrauen. Dabei sind beide Geschlechter der Meinung, jeweils selbst besser mit Geld umgehen zu können – aber der Unterschied in der Selbst- und Fremdeinschätzung ist dennoch frappierend, wie unser Chart der Woche zeigt: Während Männer sich selbst nur mit wenigen Prozentpunkten Vorsprung für die besseren Geldverwalter halten, fällt das Urteil der weiblichen Umfrageteilnehmer über den männlichen Umgang mit Geld vernichtend aus.

 

 

Sind „verfügbare“ Beispiele der Grund?
Europaweit halten gerade einmal sechs Prozent der Frauen Männer für die besseren Geldverwalter – aber 42 Prozent sind der Meinung, selbst besser mit Geld umgehen zu können. Umgekehrt trauen im europäischen Durchschnitt immerhin 21 Prozent der Männer den Frauen mehr zu als ihren eigenen Geschlechtsgenossen und weniger als ein Viertel ist der Meinung, selbst besser im Umgang mit Geld zu sein. Auch in Deutschland gehen die Männer in ihrer Meinung zu Geldangelegenheiten pfleglicher mit den Frauen um als umgekehrt.

Die Gründe für dieses bemerkenswerte Ergebnis liefert uns die Umfrage leider nicht. Vielleicht spielt hier die sogenannte „Verfügbarkeitsheuristik“ eine Rolle – wir beurteilen Dinge danach, wie leicht es uns fällt, uns an passende Beispiele zu erinnern. So sind trotz aller Gleichstellungsbemühungen die Entscheider in Politik und Wirtschaft noch immer überwiegend männlich, so dass in der Berichterstattung zu Firmenpleiten und öffentlichen Haushaltslöchern nur selten Frauen auftauchen. Möglicherweise ist die Wahrnehmung auch beeinflusst durch prominente Beispiele von Verschwendung, die fast immer männlich sind – wie der Fußballer George Best mit seinem Bonmot: „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.“