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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Bescherung für den Einzelhandel?
Haben Sie schon Weihnachtsgeschenke besorgt? Oder haben Sie vielleicht mit Familie und Freunden einen Verzicht auf Geschenke vereinbart? Falls auch Sie sich den Stress der Geschenkesuche in der Adventszeit ersparen und entweder schon vorher – oder aber auch gar nicht – auf die Jagd nach passenden Gaben gehen, passen Sie in den langfristigen Trend. Denn wie unser Chart der Woche zeigt, hat die Bedeutung der Dezemberumsätze im deutschen Einzelhandel über die letzten zwei Jahrzehnte abgenommen.

Gut zu erkennen ist, dass sich die kalender- und saisonbereinigten Monatsumsätze in den letzten Jahren vom Einbruch im Nachgang der Finanzkrise erholt haben und neue Höchstwerte erreichen (graue Linie). Die regelmäßigen Ausschläge der nicht entsprechend bereinigten Umsätze (orange Linie) in jedem Dezember sind jedoch merklich kleiner als noch beispielsweise in den 1990er Jahren. Dies zeigt auch der Blick auf den Anteil, den der Dezemberumsatz am jeweiligen Umsatz des ganzen Jahres hat: 1994 hatte dieser noch bei 10,7 % gelegen. Im Zuge der Finanzkrise war er 2007 erstmals unter 10 % gefallen und erreichte 2012 mit 9,6% einen neuen Tiefststand. In den Folgejahren kletterte der Wert wieder etwas, auch wenn er noch immer um rund 0,7 Prozentpunkte niedriger liegt als zu Beginn der Zeitreihe.

 

 

Ein Rückgang um einige Zehntel-Prozentpunkte mag auf den ersten Blick vernachlässigbar klein wirken. Da wir hier aber nur über einen von zwölf Monaten sprechen, hat er dennoch eine große Wirkung: So lag der Dezember 1994 noch um rund 32 % über dem Durchschnitt der anderen elf Monate des Jahres – der Dezember 2012 hingegen konnte seine Kalenderkollegen nur um etwa 17 % schlagen.

Nun könnte man denken, dass es der Wirtschaft ja eigentlich egal sein kann, wann die Menschen einkaufen – Hauptsache, sie tun es. Allerdings ist es leider nicht so, dass niedrigere Dezemberumsätze einfach vom Rest des Jahres aufgefangen werden. Denn an Geschenken lässt sich leichter sparen als an Lebensmitteln oder Benzin, was sich beispielsweise am Verlauf unserer Kurven im Jahre 2007 zeigt. Die stärkeren Dezemberumsätze sind somit für den Einzelhandel eine Art Bonus , den es auf die Umsätze im Rest des Jahres noch obendrauf gibt – und bis vor wenigen Jahren fiel dieser Bonus immer geringer aus. Doch im Zuge einer allgemeinen wirtschaftlichen Erholung und mit nachlassenden Ängsten beispielsweise vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone scheint bei den Verbrauchern das Portemonnaie wieder lockerer zu sitzen.

Das merken vor allem die Internethändler: Während der traditionelle Versandhandel kaum noch wächst, verzeichnen die Umsätze von Onlineshops deutlich zweistellige Wachstumsraten – 2016 lagen die Umsätze des Internet-Versandhandels im November und Dezember um 35 % über denen des Vorjahres. Ohne die allgemeine Verbesserung des Konsumklimas würde dieser Zuwachs wohl klar zu Lasten klassischer Ladengeschäfte gehen – um so besser, dass die mageren Jahre bis auf weiteres hinter uns zu liegen scheinen.