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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Goldene Zeiten – ganz ohne Reformen?!
Die Eurozone boomt und lässt sich auch von politischen Querelen rund um Brexit, Katalonien oder gescheiterte Jamaika-Koalitionsverhandlungen nicht aufhalten. Und auch die Konsumenten erfreuen sich der guten Wirtschaftslage und kaufen kräftig, was sich auch im Vertrauensindikator widerspiegelt: Im November ist das Verbrauchervertrauen auf den höchsten Wert seit Januar 2001 und auf den achthöchsten Wert seit Beginn des Indikators im Jahr 1985 gestiegen.

Bis auf die Jahre 2000 und 2001 waren Verbraucher in der Eurozone nicht mehr so zuversichtlich, wie unser Chart der Woche zeigt. Das derzeitige Beschäftigungswachstum, leichte Steigerungen bei den Löhnen und nach wie vor niedrige Inflation haben zu einer Verbesserung des realen Einkommenswachstums geführt. Auch die Erwartungen an die persönlichen Finanzen haben sich in den letzten Monaten verbessert. Zudem bleiben die Beschäftigungsaussichten gut – die Erwartungen für die Arbeitslosigkeit liegen laut der Oktoberumfrage nahe historischen Tiefstständen – was auch im Verbrauchervertrauen positiv aufgegriffen wird.

 

 

Bei solchen Datenpunkten ist die Wirtschaft der Eurozone auf dem Weg, einen überraschend positiven Verlauf bis 2018 zu erreichen. Die Tatsache, dass sich die Aussichten für eine ehrgeizige Reform der Eurozone in den letzten Wochen aufgrund der politischen Entwicklungen abgeschwächt haben, scheint jedenfalls keinerlei Wirkung gezeigt zu haben. Denn obwohl es in den Volkswirtschaften der Eurozone nach wie vor viele Schwächen gibt und sich viele Teile der Wirtschaft von der anhaltenden Wirtschaftskrise noch erholen müssen, konzentrieren sich die Verbraucher auf die Fortsetzung des derzeitigen Aufschwungs. Auch auf die deutsche Wirtschaft wird das Scheitern der Koalitionsgespräche kurzfristig vermutlich keine Auswirkungen haben. Angesichts fehlender Strukturreformen und dringend benötigter Investitionen in Digitalisierung und Bildung sollte jedoch sowohl in Deutschland als auch in der Eurozone keine Zeit verschwendet werden, um das positive Moment nicht in Gefahr zu bringen.