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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Wer hat an der Uhr gedreht? Paulchen Panther an den Aktienmärkten
Die Älteren unter uns werden sich noch an Paulchen Panther erinnern, auf Englisch Pink Panther. „Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät“ erklang in vielen Kinder- und Wohnzimmern. Wenn es nach einer überwältigenden Mehrheit der Europäischen Bürger geht, wird in Europa nicht mehr an der Uhr gedreht. Mit interessanten Folgen für die Aktienmärkte.

Statistisch gesehen sind die Ergebnisse der EU-Kommission zur Abschaffung der Zeitumstellung allerdings nicht repräsentativ, da die Teilnahme in den Mitgliedsländern nicht gleich verteilt war. Doch mit einer Teilnahme von 4,6 Millionen Menschen an der Umfrage wurde ein neuer Rekord aufgestellt – bislang nahmen lediglich bis zu 500.000 Personen an Umfragen der EU-Kommission teil. Zudem sprechen die über 80 %, die sich für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen haben, für sich. So hat auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker prompt angekündigt, dem Umfrageergebnis zu folgen und die Abschaffung der Zeitumstellung in der EU in die Wege zu leiten.

Die Zeitumstellung steht immer wieder in der Kritik. Denn durch die einstündige Verschiebung im Frühling und im Herbst, die ca. ¼ der Weltbevölkerung betrifft, wird der Bio-Rhythmus des menschlichen Körpers durcheinandergebracht, ein „Mini-Jetlag“ wird ausgelöst. Diese Störung des normalen Schlafzyklus’ kann sich in Fehlentscheidungen, Ängsten, Ungeduld oder Unachtsamkeit niederschlagen. Auch bei Anlegern.

In der Tat finden Kamstra et al. (2000) [1] anhand von Aktienindizes für die USA, Kanada und England einen signifikanten negativen Einfluss zwischen der Zeitumstellung und Renditen. Nach Wochenenden mit Zeitumstellung fallen die Renditen deutlich negativer aus als nach normalen Wochenenden. Wenn die Zeitumstellung im Sommer erfolgt, liegt die durchschnittliche Rendite 2-5-mal unter der gewöhnlichen Rendite. Dies mache alleine für die drei untersuchten Indizes in den USA einen Tagesverlust von 31 Milliarden Dollar aus. Für Deutschland finden sie einen negativen, jedoch nicht signifikanten Effekt.

Durchschnittliche %-Veränderung des HDAX an Wochenenden (Montag* ggü. Freitag)

 

 

Quelle: Thomson Reuters, ING Economic & Financial Analysis. *Feiertage wurden durch darauffolgende Handelstage ersetzt.

In unserem Chart der Woche haben wir uns daher die durchschnittliche prozentuale Veränderung des HDAX (Aktienindex, der die Werte des DAX, MDAX und TecDAX umfasst) seit 1988 an normalen Wochenenden und an Wochenenden mit Zeitumstellung angeschaut. Während der HDAX insgesamt am Tag nach einem Wochenende mit Zeitumstellung durchschnittlich im minimal negativen Bereich schloss, weist der Index eine positive Entwicklung nach Wochenenden mit Zeitumstellung auf die Winterzeit auf. Dies ist jedoch auf den 01.10.1990 zurückzuführen, der HDAX verzeichnete ein Plus von 5,8 %. Ohne dieses Ereignis läge die durchschnittliche prozentuale Veränderung bei -0,08 %.

Wie bei der Umfrage der EU-Kommission ist dieses Ergebnis statistisch nicht korrekt, aber wenn man möchte, kann man einen negativen Effekt von Zeitumstellungen auf den Aktienmarkt sehen. Natürlich unterliegen Anlegerentscheidungen und Aktienmärkte immer einer Vielzahl an ökonomischen und nicht-ökonomischen Faktoren.

Wenn am 28. Oktober die Uhren wieder um eine Stunde zurückgestellt werden, können Sie ja mal beobachten, was sich beim Dax oder beim S&P500 tut. Denn bald gelten für Winter- und Sommerzeit die bekannten Worte von Paulchen Panther nicht mehr: „Heute ist nicht alle Tage, ich komme wieder, keine Frage“.

[1] Kamstra, M. J., Kramer, L. A., und Levi, M. D. (2000). Losing Sleep at the market: The Daylight Saving Anomaly. The American Economic Review, Vol. 90(4), 1005-1011.