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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Mit Rückenwind ins Eigenheim?
Fast überall in Europa empfinden Verbraucher Wohnen mehrheitlich als teuer; der Anteil, der seine Mietzahlungen oder Hypothekenraten nur mit Schwierigkeiten zahlen kann, ist nach im Jahre 2017 gesunkenen Werten wieder gestiegen. Eine repräsentative Umfrage der ING in 13 europäischen Ländern sowie Australien und den USA zeigt außerdem, dass rund 63 Prozent der Befragten kurzfristig weiter steigende und nur 7 Prozent fallende Immobilienpreise erwarten. Über ein Drittel der Europäer und fast die Hälfte der Deutschen ohne Wohneigentum glaubt, sich auch in Zukunft nie welches leisten zu können.

Hohe Preise sind insbesondere für junge Menschen am Anfang ihres Berufslebens ein Problem, die zwar vielleicht die Möglichkeit hätten, von ihrem Einkommen die Raten für eine Baufinanzierung zu bestreiten, aber noch keine Gelegenheit hatten, das nötige Eigenkapital anzusparen. In solchen Fällen könnte eine elterliche Finanzspritze beim Einstieg ins Wohneigentum helfen. Und wie unser Chart der Woche zeigt, sind die europäischen Verbraucher auch mehrheitlich der Ansicht, dass eine solche Anschubfinanzierung für den Nachwuchs eine gute Investition für die Eltern wäre – bei der Erwartung weiter steigender Preise durchaus naheliegend.

Zustimmung zu den Aussagen „Wenn Eltern ihren Kindern beim Einstieg in den Immobilienmarkt helfen, ist dies für sie eine gute Investition“ und „Eltern sollten ihre Kinder beim Hauskauf finanziell unterstützen“

 

 

Im europäischen Durchschnitt stimmen 62 Prozent der Befragten der Aussage zu: „Wenn Eltern ihren Kindern beim Einstieg in den Immobilienmarkt helfen, ist dies für sie eine gute Investition“, nur rund 7 Prozent lehnen diese Aussage ab. Wie unser Chart aber ebenfalls zeigt, denkt nur ein deutlich geringerer Anteil der Befragten, dass die Eltern diese gute Investition auch tatsächlich tätigen sollten. Die Zustimmung zu der Aussage „Eltern sollten ihre Kinder beim Hauskauf finanziell unterstützen“ liegt im europäischen Durchschnitt um ganze 19 Prozentpunkte niedriger, nur in der Türkei erreicht sie annähernd den gleichen Wert wie die Einschätzung als gute Geldanlage.

Auf den ersten Blick überrascht dieses Ergebnis, denn intuitiv liegt vielleicht eher das Gegenteil nahe: dass nämlich die Unterstützung des Nachwuchses auch dann befürwortet wird, wenn sie aus finanzieller Sicht keine gute Geldanlage darstellt – Blut ist schließlich dicker als Wasser. Aber möglicherweise legen die Befragten Wert auf die Selbstständigkeit der jungen Generation oder lehnen das Leihen von Geld innerhalb der Familie generell ab.

Die Zahlen passen jedoch auch noch zu einer anderen Interpretation. Denn unter denen, die noch nicht über Wohneigentum verfügen, liegt die Zustimmungsrate zu elterlicher Unterstützung um rund fünf Prozentpunkte niedriger als in der Gesamtheit der Befragten. Bei denjenigen, die befürchten, sich auch zukünftig kein Eigentum leisten zu können, sind es noch einmal weitere elf Prozentpunkte weniger. Vielleicht ist es ganz einfach so, dass wer selbst nicht mit der Hilfe seiner Eltern rechnen kann, diese auch generell ablehnt – weil er befürchtet, auf dem umkämpften Immobilienmarkt gegenüber denen an Boden zu verlieren, die vom elterlichen Rückenwind profitieren.