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Blog Carsten Brzeski

Chart of the Week

Reichlich Platz in der Herberge
Die verschneiten Puderzuckerlandschaften lassen in weiten Teilen Deutschlands noch auf sich warten, doch fast das ganze Land besorgt bereits Geschenke, plant Festessen und trifft sich nach Feierabend auf Weihnachtsmärkten zum Glühwein. Dass Ostern aus religiöser Sicht das wichtigere Fest darstellt, ließe sich wohl kaum erahnen angesichts des Aufwands, der rund um ein paar Tage im Dezember betrieben wird. Dabei ist die Quellenlage zur vermeintlichen Geburtsgeschichte des Jesus von Nazaret eher dünn, auch wenn seine Existenz gemeinhin als gesichert gilt. 

Aus der nur in einem einzigen Satz im Lukas-Evangelium vorkommenden Angabe, dass das Kind nach der Geburt in eine Krippe gelegt wurde, entstanden später die bekannten kunsthandwerklichen Abbildungen des vermeintlichen Stalls mit Ochse und Esel sowie Krippenspiele von Grundschulklassen mit mürrischen Herbergswirten. Ganz egal, wie nahe diese Darstellungen den tatsächlichen Verhältnissen kommen: Zwei Jahrtausende später müssen Sie sich wohl kaum Sorgen machen, aus Platzgründen in einem Stall einquartiert zu werden, wenn Sie zu den Feiertagen verreisen. Denn der Dezember gehört traditionell zu den schwächsten Reisemonaten, wie unser Chart der Woche zeigt – nur im Januar (und seit einigen Jahren auch im Februar) werden regelmäßig weniger Übernachtungen in deutschen Beherbergungsbetrieben gezählt.

 

Ankünfte und Übernachtungen in deutschen Beherbergungsbetrieben 2008-2018 (je Monat, in Mio.)

 

Spitzenreiter in Sachen Reisen sind natürlich die Sommermonate – hier wird der Tourismus zumindest in bestimmten Regionen zum bedeutenden Wirtschaftsfaktor mit großen Auswirkungen beispielsweise auf die saisonale Erwerbstätigkeit. Um die Höchstwerte streiten sich jedes Jahr Juli und August; oft ist dabei der Juli der Monat mit den meisten Ankünften, der August derjenige mit den meisten Übernachtungen. Zünglein an der Waage dürfte hier die Terminansetzung der Sommerferien sein. Selbst in der Hauptsaison liegt aber die Dauer eines Aufenthalts im Durchschnitt nur bei rund drei Übernachtungen – ein hoher Anteil Geschäftsreisender macht sich bemerkbar. Und trotz einer steigenden Gesamtzahl an Übernachtungen geht die durchschnittliche Verweildauer weiter nach unten, weil die Zahl der Aufenthalte noch stärker steigt: Städtereisen und ähnliche Kurzurlaube liegen offenbar im Trend.

Die im Durchschnitt kürzesten Aufenthalte gibt es übrigens im November: In jedem der letzten zehn Jahre war das Verhältnis zwischen Übernachtungen und Ankünften im vorletzten Monat des Jahres am niedrigsten. Im Januar hingegen legt dieser Wert trotz der geringen absoluten Zahl an Übernachtungen regelmäßig einen kleinen Sprung hin: Hier wirken sich wohl Urlauber aus, die bereits im Dezember anreisen und dann über den Jahreswechsel bleiben.

Ob auch Sie Silvester im Luxushotel feiern wollen, über die Weihnachtstage in die Heimat fahren, um die Familie zu sehen, oder vielleicht doch ganz gemütlich zu Hause bleiben: Das Ökonomen-Team der ING in Deutschland wünscht Ihnen besinnliche Weihnachtstage, einen fröhlichen Jahreswechsel und einen guten Start für 2019.