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Blog Carsten Brzeski

Die (Ohn-)Macht der Notenbanken

07.10.2015

Die großen Notenbanken der Welt haben in den letzten Jahren viel an Macht gewonnen. Nicht nur in der Eurozone haben Notenbanken regelmäßig für wenig entscheidungsfreudige Politiker die Kohlen aus dem Feuer geholt und sich mit teilweise bahnbrechenden Maßnahmen gegen die Krise gestemmt. Die zugenommene Macht, die Kraft einzelner Wörter, das alles macht die großen Notenbankchefs zu Zauberern der Finanzmärkte. Die letzten Entwicklungen zeigen allerdings, dass aus Macht schnell Ohnmacht werden kann.

Die Märkte kauen noch immer auf der Entscheidung der Fed, die Zinsen nicht zu erhöhen. War die Zeit nicht endlich reif, um nach 9 Jahren endlich wieder mal die Zinsen anzuheben? Kann eine Volkswirtschaft, die zwischen 2% und 3% pro Jahr wächst und die eine Arbeitslosenquote von kaum mehr als 5% hat, wirklich keinen höheren Zinssatz als null verkraften? Die Antwort der Fed auf diese Fragen war jetzt ein deutliches „Nein“, auch wenn die offizielle Argumentation natürlich anders lautete. Überzeugend waren die Argumente, dass die Inflation noch immer niedrig sei und dass die Abkühlung von China und anderen Schwellenländern eine neue, unerwartete Gefahr darstelle, allerdings nicht.

Vielleicht hatte die Fed nur Angst vor der eigenen Courage und vor der Reaktion der Finanzmärkte. Vielleicht zeigt die Entscheidung allerdings auch auf ein viel größeres Problem: das der Impotenz der Geldpolitik. Mittlerweile werden Inflationsraten viel mehr von Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten und weltweiten Lohnentwicklungen beeinflusst als von nationalen Entwicklungen. Und wie die Erfahrungen in der Eurozone zeigen, kann die Geldpolitik allein auch nicht das Wirtschaftswachstum zurückzaubern. Nullzinspolitik und Anleihenprogramme können die Rahmenbedingungen liefern, stoßen aber ohne Unterstützung der Fiskal- und Strukturpolitik auch schnell an ihre Grenzen.

Wenn jetzt in den nächsten Tagen und Wochen an den Märkten erneut über die mögliche Zinswende in den USA oder eine Ausweitung des Anleihenprogramms der EZB spekuliert wird, sollten Marktteilnehmer nicht zu sehr auf den Zauber der Notenbanken hoffen. Auch wenn die Zinswende in den USA wahrscheinlich bis mindestens zum Ende des Jahres verschoben wurde und die EZB ihr eigenes Programm noch einmal aufstockt, so sind diese Entscheidungen mittlerweile eher ein Zeichen von Ohnmacht als von Macht.