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Blog Carsten Brzeski

Heißer Sommer

Der Winter ist endlich vorbei. Die ersten Sonnenstrahlen sind die beste Therapie gegen Winterdepressionen und wie jedes Jahr bei den ersten Sonnenstrahlen keimt die Hoffnung auf einen warmen Sommer. Auch in der Weltwirtschaft verdrängen im Augenblick erste Sonnenstrahlen die schlimmsten Depressionen der letzten Wochen und Monate: der amerikanische Arbeitsmarkt zeigt Zeichen der Stärke, China ist immer noch nicht in der oft heraufbeschworenen Rezession verschwunden und selbst die häufig abgeschriebene Eurozone erweist sich robuster als befürchtet. Optimisten schöpfen daher schon die Hoffnung auf einen warmen Konjunktursommer. Man sollte jedoch aufpassen, was man sich wünscht.

Die Entwicklungen der letzten Tage waren nämlich ein deutliches Zeichen, dass Europas Lieblingskrise wieder zurück ist; oder noch genauer: die Griechenland-Krise ist zurück von niemals Weggewesen. Die Veröffentlichung einer internen Diskussion des Internationalen Währungsfonds und die Ankunft der internationalen Kreditgeber in Athen war nur der Auftakt zu griechischen Wochen. Im Grunde genommen dreht es sich im Kern immer noch um das gleiche Thema wie schon seit Jahren: Griechenland geht das Geld aus (dieses Mal im Juli); die Wirtschaft wächst noch immer nicht, wodurch der Mix aus Sparprogrammen und Strukturreformen immer unerträglicher wird; Europa will aber keine Wachstumshilfen geben und ziert sich beim Schuldenschnitt; während zu guter Letzt der Internationale Währungsfonds genau auf diesen Schuldenschnitt drängt.

Man mag es eigentlich gar nicht mehr hören. Irgendwie einigen die in Brüssel sich doch immer wieder, möchte man gerne denken. Aber die Flüchtlingskrise hat das Kräfteverhältnis leicht verändert und so könnte ein Aufleben der Griechenland-Krise dieses Mal wirklich ganz Europa aufrütteln. Denn letztendlich geht es nicht so sehr um die Frage Schuldenschnitt ja oder nein, sondern um die grundsätzliche Frage, ob man für mehr Wachstum nicht mehr braucht als nur Strukturreformen. Griechenland (und viele andere Euro-Länder) brauchen (Wachstums-)Perspektiven. Ansonsten wird man separatistische und populistische Geister nicht so schnell los. Mit einem typisch europäischen „weiter so“ wird man das nicht erreichen.

Wenn Durchwurschteln nicht mehr geht, stehen Europa und die deutsche Bundesregierung eigentlich vor drei Optionen: Wachstumsinitiative, Schuldenschnitt oder Grexit. Alle drei wären revolutionär und eine Abkehr von der bisherigen Krisenbewältigung. Der Sommer in der Eurozone könnte heißer werden als es vielen lieb ist.