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Blog Carsten Brzeski

ING-DiBa Studie: Die ungleiche Krise

Die Schere geht weiter auseinander. Die Ungleichverteilung von Einkommen ist in den letzten Jahren in den USA und Europa gestiegen. Dies ist aber kein Trend, der erst durch die Finanzkrise entstanden ist. Schon vor der Finanzkrise entwickelten sich die Einkommen in den meisten Ländern auseinander. Die Krise hat den Trend der letzten drei Jahrzehnte nur verstärkt.

Eine aktuelle ING-DiBa Studie zur Einkommensentwicklung in Europa und den USA zeigt, dass in fast allen Ländern das verfügbare Einkommen der untersten Einkommensklasse sich schon vor der Finanzkrise weniger positiv entwickelte als der Durchschnitt. Zwischen 2007 und 2013 ging die Schere zwischen den höchsten und niedrigsten Einkommen in Spanien, Griechenland und Italien am weitesten auseinander. In Rumänien, dem Vereinigten Königreich und Deutschland schloss die Schere sich ein bisschen. Die niedrigsten Einkommensklassen gerieten allerdings nicht nur im Vergleich zu den höchsten Einkommensklassen in Rückstand. Auch im Vergleich zum durchschnittlichen Einkommen verschlechterte sich das verfügbare Einkommen der niedrigsten Einkommensklasse – mit Ausnahme von Deutschland.

Größte Leidtragende der noch immer andauernden Finanz- und Wirtschaftskrise ist ganz deutlich der jüngste Teil der arbeitenden Bevölkerung. In eigentlich allen Ländern, bis auf Belgien und Deutschland, stieg das verfügbare Einkommen der 16- bis 24-jährigen weniger stark als das des Durchschnitts und auch der Gruppe der über-65-jährigen.

Interessant ist, dass sich die Ungleichheiten tendenziell in Krisen verstärken, in guten Zeiten aber nicht abnehmen. Deutschland ist hierbei ein gutes Beispiel, denn selbst trotz starkem Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren gab es kaum signifikante Verbesserungen. Ein Zeichen, dass rein über Beschäftigungseffekte und starkes Wirtschaftswachstum die Einkommensunterschiede scheinbar noch nicht nachhaltig bekämpft werden können.

Studie: Die ungleiche Krise