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Blog Carsten Brzeski

ING-DiBa Studie: Teures Stadtleben

Wohnkostensituation ist noch entspannt – aber Preisempfinden steigt, vor allem in Großstädten

Auf dem deutschen Immobilienmarkt wird das Wohnen zumindest in größeren Städten immer teurer – dennoch haben nur wenige Deutsche nach eigenen Angaben Schwierigkeiten, ihre Mietzahlungen oder Hypothekenraten aufzubringen. Dies ist eines der Ergebnisse einer Umfrage der ING-DiBa in 13 europäischen Ländern sowie Australien und den USA.

Stärker als in anderen Ländern konzentriert sich in Deutschland die Wahrnehmung eines hohen Preisniveaus auf die Großstädte. So empfinden 48 % der Bewohner von Kleinstädten oder ländlichen Gegenden (europaweit: 53 %) die Immobilienpreise in ihrer Wohngegend als „teuer“ oder „sehr teuer“. Für Städte mit einer Einwohnerzahl von mindestens 100.000 beläuft sich dieser Wert hingegen auf 69 % (europaweit: 70%). Berlin (74 %) wie auch die anderen Hauptstädte der Umfrageländer (76 %) liegen noch einmal darüber. Das Ende der Fahnenstange beim Immobilienboom sehen deutsche Verbraucher noch nicht erreicht: Insgesamt 64 % erwarten einen Anstieg der Preise in ihrer Wohngegend über die kommenden 12 Monate (europaweit: 59 %), in Großstädten sind es sogar 74 % (europaweit: 66 %).

Die als teuer empfundenen Immobilienpreise führen für die Verbraucher aber offenbar nicht auf breiter Basis zu Schwierigkeiten, ihre Wohnkosten aufzubringen. 11 % der deutschen Befragten mit einer Immobilienfinanzierung geben an, dass es für sie „schwierig“ oder „sehr schwierig“ sei, ihre Raten zu zahlen – deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 19 %. Die 14 % der Mieter, die hierzulande das Aufbringen ihrer Mietzahlungen als „schwierig“ oder „sehr schwierig“ empfinden, stellen sogar den niedrigsten Wert der Umfrage dar. Europaweit sind die Umfragewerte auf dem Rückzug: Insbesondere in den Ländern im Süden und Osten Europas, die wie schon 2016 die Rangliste anführen (oder – je nach Auslegung – deren Schlusslicht bilden), sind offenbar langsam die Effekte der wirtschaftlichen Erholung spürbar.

Die Erfahrung hoher und die Erwartung weiter steigender Preise beeinflusst offenbar auch grundlegende Annahmen der Verbraucher zum Immobilienmarkt: Die verbreitete Meinung „Immobilienpreise fallen nie“ wurde noch vor Jahresfrist von 52 % der Deutschen korrekterweise als unzutreffend identifiziert; in diesem Jahr waren es nur noch 34 %. Auch europaweit fiel der Wert von 48 auf 35 %. Das derzeitige Preisempfinden scheint hier die Wahrnehmung der Verbraucher zu verzerren.

Hier unsere Studie auf Basis der Ergebnisse des ING International Surveys.

Die internationale Studie finden Sie hier.