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Blog Carsten Brzeski

Rückenwind aus dem Oval Office

06.10.2016 | Am 8. November ist es soweit. Dann wählen die Bürger der USA einen neuen Präsidenten. Zum 58. Mal seit Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika. Im medialen Zeitalter ähneln politische Wahlen immer mehr einer Casting Show oder einem Schönheitswettbewerb. Die Kandidaten sind dabei nicht zu beneiden. Vor allem, da es in diesem Jahr in den USA nicht so sehr um den beliebtesten Kandidaten, sondern um den am wenigsten unbeliebten Kandidaten geht. Auch wenn Donald Trump sich seit dem ersten Fernsehduell mit Hillary Clinton in rasend schnellem Tempo selbst zu demontieren scheint, so wird der Ausgang am 8. November wohl knapp sein. Ein Grund mehr, um auf die möglichen Folgen eines Präsidenten Trumps oder einer Präsidentin Clinton für die amerikanische Konjunktur zu schauen.

Vor noch nicht allzu langer Zeit gingen mehr als zwei Drittel aller Deutschen davon aus, dass Hillary Clinton in das Weiße Haus einziehen wird. Fast neunzig Prozent würden sie wählen wenn sie könnten. Ein Präsident Trump? Unmöglich. Die Amerikaner würden doch niemals auf ein wandelndes Pulverfass stimmen, das auch noch die gesamte Wirtschaft in eine Rezession stürzen würde? Beide Aussagen stehen auf wackligen Füßen.

Seit dem Brexit-Votum wissen wir, dass eine Bewegung gegen das Establishment eine eigene Dynamik entwickeln kann. Für viele Amerikaner steht Clinton für das politische Establishment. Trump ist eine Art Brexiteer. Ähnlich wie beim Brexit Wahlkampf sollten sich Clinton-Befürworter nicht zu sicher fühlen, wenn Argumente von Trump ad absurdum geführt werden oder sich schlichtweg als Lügen herausstellen. Hinzu kommt, dass der amerikanische Präsident nicht unbedingt die Mehrheit aller Stimmen gewinnen muss. So hat z.B. George W. Bush 2000 die Präsidentschaft gewonnen, obwohl er 500 000 Stimmen weniger als sein Konkurrent Al Gore hatte. Aufgrund des Systems der Wahlmänner, werden wohl einige wenige sogenannte „Swing States“ im November den Ausschlag geben. Trotz der eingetretenen Selbstdemontage sollte man einen Präsidenten Trump noch lange nicht ausschließen.

So ein Präsident Trump würde die amerikanische Wirtschaft nicht in eine Rezession stürzen. Jedenfalls nicht kurzfristig. Wenn man versucht, aus den bisherigen Aussagen Trumps wenigstens etwas Sinnvolles herauszufiltern, steht dort ein dickes Konjunkturpaket, das mit Steuersenkungen und Ausgabenprogrammen die amerikanische Konjunktur ordentlich ankurbeln würde. Dem stehen allerdings eine stark ansteigende Staatsverschuldung, internationale Handelskonflikte und diplomatische Spannungen gegenüber, die alle langfristigen Schaden anrichten könnten.

Auch eine Präsidentin Clinton würde die Konjunktur ankurbeln. Allerdings nicht mit Steuersenkungen, sondern gegenfinanzierten Ausgabeprogrammen, wodurch der kurzfristige positive Impuls aber auch der langfristige Schaden über steigende Staatsschulden geringer wären als bei Trump.

Wie auch immer die Wahl am 8. November ausgehen mag, der gerade abkühlende Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft sollte im neuen Jahr aus dem Oval Office neuen Rückenwind erhalten. Die einzige Frage ist, ob es ein böiger Rückenwind mit großen unübersehbaren Nebenwirkungen sein wird oder nur ein kleine, dafür stetige, Brise.