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Blog Carsten Brzeski

Schatten von olympischem Gold

03.08.2016 | Alle vier Jahre glänzen meine Augen im Sommer besonders stark. Für einen ehemaligen Leistungssportler haben die Olympischen Spiele noch immer etwas Magisches. Was eigentlich für alle Sportler der Höhepunkt ihrer Karriere ist und mir persönlich viel Zuschaugenuss bietet, bringt den ausrichtenden Städten und Ländern nicht nur Gutes. Die ökonomischen Schattenseiten von Olympischen Spielen sind in den letzten zwei Jahrzehnten immer grösser geworden.

Wenn man den internationalen Sportorganisationen glauben darf, wartet auch auf die ausrichtenden Städte und Länder von sportlichen Großereignissen die finanzielle Goldmedaille. Infrastrukturinvestitionen, am liebsten noch in weniger entwickelten Gebieten oder Stadtteilen, sollen die Lebensqualität nachhaltig erhöhen. Tourismus soll mehr Geld in die Kassen spülen. Die Städte und das Land sind knapp einen Monat im Zentrum der Weltöffentlichkeit. Und ganz nebenbei ist der ewige Dank der Wähler auch gesichert. Kosten? Gibt es natürlich auch. Aber die ökonomischen Vorteile fangen Investitionskosten schon auf und zur Not kann man ja alles immer noch mit Schulden finanzieren, die erst abgezahlt werden müssen wenn die Nachfolgeregierung im Amt ist. Zu schön, um wahr zu sein.

Eine genaue Gewinn- und Verlustrechnung für Olympische Spiele kann man nur schwierig durchführen. Es gibt aber etliche Fakten, die andeuten, dass die Spiele zwar Sportlerherzen höher schlagen lassen, Ökonomenherzen allerdings nicht. Die Kosten der letzten 15 Spiele waren immer höher als ursprünglich geplant. Hinzu kommt, dass das IOC immer mehr Einnahmen für sich selbst beansprucht. Mehr als 70% der Fernsehrechte gehen mittlerweile zum IOC. Zwischen 1960 und 1980 waren das noch weniger als 4%. Der Blick auf einsame und mit Pflanzen überwucherte olympische Sportstätten in Athen oder Peking zeigt, dass viele Investitionen wenig nachhaltig sind. Auch der Anstieg bei den Touristen ist ein Mythos. In Peking und London gab es während der Olympischen Spiele in 2008 und 2012 weniger Touristen als in der gleichen Periode im Vorjahr. Zu guter Letzt scheint das Ausrichten von Olympischen Sommerspielen in den letzten zwei Jahrzehnten häufig auch ein Frühindikator für wirtschaftliche Misere gewesen zu sein. Man muss nur an Athen, Peking und London denken.

Beim Blick auf Rio, einer jetzt schon schwächelnden brasilianischen Konjunktur und hohen Kosten für die Staatsfinanzen, wird dem Ökonom in diesen Tagen ganz mulmig im Bauch. Der Sportfan wird trotzdem einschalten und auf die magischen Worte „Hiermit erkläre ich die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro für eröffnet“ warten.