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Blog Carsten Brzeski

Schießt Geld wirklich keine Tore?

Schießt Geld wirklich keine Tore?
König Fußball regiert wieder das Land. Mit dem ersten Spieltag der Fußball-Bundesliga am vergangenen Wochenende begann für Fans im ganzen Land wieder das Hoffen und Bangen um eine gute Platzierung am Saisonende. Ein bekanntes Sprichwort zeigt auch im Fußballkontext seine Gültigkeit: Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt. Mit einer alten Fußballweisheit kombiniert, könnte man sagen: Geld schießt zwar keine Tore, erhöht aber die Aussichten auf einen erfolgreichen Saisonabschluss deutlich.

Werfen wir einmal einen Blick darauf, welche Plätze der Abschlusstabelle die Mannschaften mit dem höchsten und niedrigsten Kaderwert in den letzten zehn Jahren jeweils belegten. Fußballinteressierte wird es nicht verwundern, dass die Mannschaft mit dem höchsten Kaderwert in allen 10 Saisons der FC Bayern war – nur dreimal reichte es in diesem Zeitraum für die Münchner nicht zur Meisterschaft. In den letzten fünf Jahren konnte gar kein anderes Team dem Rekordmeister den Titel abjagen. Verständlich also, dass viele Fans die Auffassung vertreten, die überwiegende Verteilung der Geldströme an die erfolgreichsten Mannschaften zementiere bestehende Verhältnisse und gehe zu Lasten der Spannung im Wettbewerb.

 

 

Die Schere öffnet sich
Tatsächlich öffnet sich die Schere zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Kaderwert im Laufe der Zeit deutlich – in absoluten wie auch in relativen Zahlen. Vor 10 Spielzeiten trennte die Münchner noch der Faktor 10 von Energie Cottbus; der letztjährige Kader hatte bereits den 18-fachen Marktwert wie der von Darmstadt 98. In den vorangegangenen beiden Jahren lag der Marktwert des Bayernkaders sogar 25 bzw. 31 Mal so hoch wie bei den No-Name-Teams der Überraschungsaufsteiger aus Paderborn und Darmstadt.

Doch für die Zwerge der Geldrangliste besteht das Ziel natürlich nicht darin, dem Rekordhalter die Meisterschaft streitig zu machen. Angepeilt wird meistens der Klassenerhalt, doch auch hier spielt Geld eine Rolle: Die Mannschaft mit dem jeweils geringsten Kaderwert belegte fünfmal den letzten und einmal den vorletzten Platz und musste so in 6 von 10 Spielzeiten – davon 4 der letzten 5 – den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

Zunehmend scheint also die Gleichung Geld = Kaderqualität = Erfolg aufzugehen. Mit fortschreitender Professionalisierung werden immer mehr Einflussfaktoren unter Kontrolle gebracht und der Zufall zurückgedrängt, hinzu kommt der wachsende Unterschied in den zur Verfügung stehenden Mitteln – Erfolg wird immer stärker planbar. Ob man diese Entwicklung gutheißt, hängt wohl davon ab, von welchem Ende der Geldrangliste aus man sie betrachtet.