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Blog Carsten Brzeski

Unverhofft kommt (hoffentlich nicht mehr) oft

Was Ende 2015 wie ein nicht immer ganz ernst gemeinter großer Schwarm sogenannter schwarzer Schwäne (unwahrscheinliche Ereignisse, die doch eintreten) aussah, wurde zu großen Teilen Wirklichkeit: Brexit, Trump, Öl fast bei 20 Dollar pro Barrel und der Euro, der sich Richtung Parität zum Dollar bewegt. Unverhofft kommt doch öfter als man denkt. Beim Blick auf 2017 gehen dem Prognostiker langsam die Superlative, aber auch die Phantasie aus. Was für unmögliche Ereignisse muss man denn jetzt vorhersagen, um Recht zu behalten?

Wahrscheinlich keins. Das Schöne an 2017 ist, dass man nicht in neuen Extremen denken muss. Das Jahr 2017 hat schon genug damit zu tun, die Ereignisse von 2016 weiter zu verdauen und einzuordnen.

Ob man es will oder nicht, der neue Präsident Trump wird die Welt 2017 (und noch länger) dominieren. Und das nicht nur mit seinen Berichten auf Twitter. Sein wirtschaftspolitisches Programm, mit öffentlichen Investitionen, Steuersenkungen und mehr Protektionismus, wird auch in Europa Spuren hinterlassen. Ganz direkt, wenn exportorientierte Länder wie Deutschland Zugang zum amerikanischen Markt verlieren. Aber auch indirekt, indem es Nachahmer in ganz Europa finden und vor allem Druck auf Regierungen ausüben könnte, um mit höheren Staatsausgaben das Wirtschaftswachstum zu erhöhen.

Trump hat auch politische Unsicherheit zurück nach Europa gebracht. Unsicherheit in Italien nach dem Referendum und die Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland werden die Märkte im Jahr 2017 dominieren. Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone – so unbegründet sie auch ist – wird wohl 2017 wieder an den Märkten spuken. Trotz aller großen Sprüche von Politikern wie Geert Wilders oder Marine Le Pen: Ein Referendum zur Euro-Mitgliedschaft kann es laut nationalen Verfassungen weder in den Niederlanden noch in Frankreich geben. Wenn, dann müssten beide Länder schon aus der EU austreten. Und Letzteres erscheint doch sehr unwahrscheinlich.

Da die Politik allerdings noch weniger vorhersagbar ist als die Konjunktur, wird die neue politische Unsicherheit 2017 ein großes Thema sein. Und über allem schwebt dann immer noch der Brexit. Da könnten die Märkte fast vergessen, dass 2017 auch das Jahr werden könnte, in dem das Ende der ultra-lockeren Geldpolitik eingeläutet wird. Es sieht so aus, als ob die EZB Mitte des Jahres einen ersten Schritt zum Zurückfahren des Anleihenprogramms machen wird. Zusammen mit zwei weiteren Zinserhöhungen in den USA könnte die geldpolitische Welt 2017 fast unbemerkt eine erste Trendwende sehen.

Politische Unsicherheit und Marktschwankungen werden wohl das Jahr 2017 dominieren. Am Ende des Jahres sollte der Aufgeregtheit an den Märkten allerdings auch Realismus folgen: Die Eurozone wird auch 2017 nicht auseinander fallen. Auch wenn sicherlich nicht alles gut ist, unverhofft kommt zum Glück nicht immer oft.