Wasserstoff und Projektfinanzierung: ein gutes Match?

mit ING Wholesale Banking

Wasserstoff und Projektfinanzierung: ein gutes Match?

Wasserstoff wird immer wichtiger: aufgrund sinkender Produktionskosten und immer mehr Anwendungsfeldern im Energiebereich interessieren sich zunehmend Investoren für die kohlenstoffarme Technologie. Obwohl Projektfinanzierungen traditionell eher für große, langfristige Projekte mit bewährter Technologie und einer bestehenden Nachfrage geeignet sind, engagieren sich Projektfinanzierer vermehrt auch in Wasserstoffprojekten sowohl als Berater als auch als Kreditgeber. Da Größe und Komplexität von Wasserstoffprojekten zunehmen, wird die Bedeutung von Projektfinanzierungen bei der Entwicklung des Sektors wahrscheinlich weiter wachsen.

Projektfinanzierung und Wasserstoff 

Wasserstoff wird bereits seit über 50 Jahren als potenzieller kohlenstoffneutraler Ersatz für Kohlenwasserstoffe gehandelt. Auch wenn das Interesse an Wasserstoff immer wieder aufkam – etwa nach der Ölkrise in den 1970ern oder den 1990er, als der Klimawandel in den Vordergrund der Politik rückte – hat sich dies nie in einen nachhaltigen Investitionstrend verwandelt. Heute ist das Potenzial einer "Wasserstoffwirtschaft" wieder in den Fokus gerückt, denn Wasserstoff gilt nach wie vor als ein Schlüsselelement für die Zukunft einer wettbewerbsfähigen, nachhaltigen und zuverlässigen Energieversorgung.

Zwei Faktoren bestimmen aktuell das große Interesse an der Wasserstoffindustrie. Zum einen diversifiziert sich die Nachfrage durch die Erweiterung der Anwendungen für Wasserstoff im Energiesektor und der Wirtschaft im Allgemeinen. Wasserstoff hat beispielsweise das Potenzial, als Ersatz für Erdgas bei der Stromerzeugung, bei der Hausheizung und als Treibstoff im Verkehr eingesetzt zu werden, sowie als Alternative oder Ergänzung zum Einsatz von Batterien. Inwieweit dieses Potenzial ausgeschöpft wird, muss sich allerdings erst noch zeigen, aber Wasserstoff wird bereits für den Antrieb von Schwerlasttransporten verwendet und wird wahrscheinlich bei der Dekarbonisierung von Industriesektoren sowie bei der Stahlerzeugung und Eisenverhüttung eine Schlüsselrolle einnehmen.  Zum anderen wird die Produktion von Wasserstoff deutlich CO2-ärmer, wodurch entweder sog. „blauer“ oder „grüner“ Wasserstoff entsteht. Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse von Wasser mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt. Blauer Wasserstoff wird dagegen aus fossilen Brennstoffen gewonnen, allerdings wird das entstehende COgespeichert und gelangt somit nicht in die Atmosphäre. 

 Wasserstoffprojektträgern stehen heute eine Reihe von Finanzierungsoptionen zur Verfügung, da das Interesse an den Kredit- und Investitionsmärkten zunimmt und in den letzten Monaten eine Reihe von wasserstoffbezogenen Unternehmensfinanzierungen, Projektfinanzierungen und Green-Bond-Finanzierungen angekündigt wurden. Da der Wasserstoff-Sektor wächst und die mit grünen und blauen Wasserstoffprojekten verbundenen technologischen Risiken abnehmen, wird die Projektfinanzierung zunehmend zu einer wichtigen Finanzierungsquelle für Wasserstoffprojekte. Aufgrund des breiten Spektrums an potenziellen Projektfinanzierern kann ein Projekt ein höheres Maß an Fremdkapital mit längeren Laufzeiten und wettbewerbsfähigeren und daher günstigeren finanziellen Bedingungen anziehen, als dies bei einer Standard-Unternehmensfinanzierung der Fall wäre.

Die Rolle der Banken 

In den letzten Jahren sind sowohl Geschäftsbanken als auch institutionelle Kreditgeber zu wichtigen Liquiditätsquellen auf dem Markt für Projektfinanzierungen geworden. Die Liquidität von Geschäftsbanken für nachhaltige Projekte hat enorm zugenommen, da Nachhaltigkeit für viele Banken, einschließlich der ING, zu einem wichtigen Schwerpunkt geworden ist und Kapital, das traditionell in fossile Brennstoffe investiert wurde, in erneuerbare oder nachhaltige Projekte umgeschichtet wird. 

Nachhaltige Investitionen werden aller Voraussicht nach künftig eine noch stärkere Rolle spielen, da die EU-Taxonomie, die 2021 in Kraft tritt, die Offenlegungspflichten für Geschäftsbanken und institutionelle Kreditgeber erhöht und ein einheitliches Klassifizierungssystem für die Kategorisierung nachhaltiger Aktivitäten einführt. Im Juni 2019 erhielt ING die Möglichkeit, einen Beitrag zum technischen Bericht zur EU-Taxonomie zu leisten und beabsichtigt, die Anwendung der EU-Taxonomie auf die von ihr angebotenen nachhaltigen Finanzprodukte weiter zu untersuchen. Die kürzlich eingeführten Richtlinien der Europäischen Zentralbank bezüglich der Einbeziehung von Klima- und Umweltrisikokriterien und der damit verbundenen Bankpolitik werden den Trend zur Beteiligung an der Finanzierung von nachhaltigen Energieprojekten weiter beschleunigen. 

Insofern ist es wahrscheinlich, dass Banken ihre Mittel verstärkt in nachhaltige Projekte, wie Wasserstoff, einsetzen werden. Durch ein frühes Engagement haben Kreditgeber bereits ein besseres Verständnis der Branche, der Hauptakteure und der Technologie und sind besser in der Lage, diesem wachsenden Markt rechtzeitig Expertise und finanzielle Unterstützung zu bieten. Wenn die Weltwirtschaft in sinnvoller Weise auf Wasserstoff umsteigt, wird die Projektfinanzierung in der gesamten Wertschöpfungskette eine verstärkt wichtige Rolle spielen.