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The View – ING Kundenmagazin

Schmeckt gut – und tut Gutes

Der Kakaolieferant Barry Callebaut hat eine neue Nachhaltigkeits-Initiative gestartet, die das Leben seiner Farmer verändern wird.

Für die meisten von uns ist Schokolade ein gelegentlicher Luxus, der mit Genuss und Entspannung assoziiert wird. Nur wenige denken darüber nach, woher die Schokolade eigentlich kommt. Die Reise von den Kakaofarmen in Westafrika und anderen Gebieten in die europäischen, amerikanischen und asiatischen Münder ist jedoch eine der meistumstrittenen der Lebensmittelindustrie. Kakaobohnen stehen in Debatten über Nachhaltigkeit und die Verantwortung der Unternehmen – die in einigen der ärmsten Länder der Welt agieren – häufig im Mittelpunkt.

Barry Callebaut ist führender Lieferant für hochwertige Schokolade und Kakaoprodukte, beschäftigt ca. 11.000 Angestellte und verkauft seine Produkte an Kunden in 140 Ländern. Remco Steenbergen, CFO des Unternehmens, ist der Meinung, dass gerade im Schokoladengeschäft die Nachhaltigkeit eine große Rolle spielen muss, da es viele strukturelle Probleme in der Wertschöpfungskette gibt. „Geringe Produktivität auf Kakaofarmen ist das Ergebnis von schlechter landwirtschaftlicher Praktik, verbrauchtem Boden und alternden Kakaobäumen und hält die Farmer in einem Armutszustand“, erzählt er.

Diese Armut hält die Kakaofarmer davon ab, in ihr Gewerbe und neue Praktiken zu investieren, um die Produktivität und somit auch ihr Einkommen zu steigern. „Außerdem hindert sie die Kakaofarmer daran, professionelle Arbeitskräfte einzustellen, was dazu führt, dass die Familien und somit auch die Kinder der Farmer auf den Feldern arbeiten müssen“, erklärt Steenbergen. Er glaubt daran, dass es nicht nur den Farmern zugutekommen wird, wenn nachhaltige Schokolade als Standard etabliert wird, sondern dass dies auch der einzige Weg für Barry Callebaut ist, um langfristig erfolgreich zu bleiben.

„Unser Streben nach Nachhaltigkeit hat ein klares moralisches, aber auch ein klares unternehmerisches Ziel: Ohne Kakao gibt es schließlich auch keine Schokolade“, sagt Steenbergen. Mit einem nachhaltigen Ansatz kann das Unternehmen zudem eine Stütze für seine Kunden sein, die mehr und mehr dazu übergehen, nachhaltige Produkte zu kaufen. „Außerdem sind Angestellte stolz, für eine Firma zu arbeiten, die einem guten Zweck verbunden ist“, fügt er hinzu. „Wir nennen das: erfolgreich sein durch gute Taten.“

Ein neuer Nachhaltigkeitsansatz
Obwohl Nachhaltigkeit bei Barry Callebaut bereits seit über 150 Jahren eine Rolle spielt, beurteilt und aktualisiert das Unternehmen regelmäßig seine Tools und Methoden. „Forever Chocolate stellt dabei die nächste Phase dar: Sie ist mit ihren klaren Zielen und Zeitplänen noch wesentlich ambitionierter als vorherige Maßnahmen“, sagt Pablo Perversi, Chief Innovation, Sustainability und Quality Officer bei Barry Callebaut.

Forever Chocolate ist ein neuer Ansatz im Anbau von Kakao, der soziale und ökologische Vorteile für die Kakaofarmer und deren Agrargemeinden bringt. „Die Armut der Kakaofarmer hat direkte Auswirkungen auf Kinderarbeit und Abholzung“, merkt Perversi an. „Somit ist die Bekämpfung dieser Armut unser Ausgangspunkt.“

Im Februar hat Barry Callebaut das erste Pilotprojekt in Indonesien gestartet. In den kommenden Monaten soll es in vier anderen Kakaoanbauländern ähnliche Projekte geben. Forever Chocolate soll auch dazu dienen, durch ein aussagekräftigeres Reporting neue Methoden schneller zu identifizieren und andernorts zu implementieren. Der erste Fortschrittsreport wurde im Dezember 2017 veröffentlicht.

Was für die Initiative jedoch ausschlaggebend ist: Um die Nachhaltigkeit zu verbessern, benötigt das Unternehmen Hilfe von außen. „Wir möchten den Anstoß für eine Bewegung geben, die sich zum Ziel setzt, bis 2025 nachhaltige Schokolade als Produktstandard zu definieren. Das Ziel kennen wir. Aber wir möchten herausfinden, wie wir es (noch) schneller erreichen können“, sagt Perversi. „Dazu benötigen wir Industriepartner, NGOs, Regierungen und Hochschulen, die uns auf unserer Reise begleiten“, fügt er hinzu.

Sofortige Ergebnisse – und langfristige Veränderungen
Forever Chocolate liefert bereits jetzt praktische Ergebnisse. Das Unternehmen arbeitet zusammen mit der Dutch Sustainable Trade Initiative (IDF) an dem Projekt Initiative Sustainable Landscapes, das sich auf die Produktivitätssteigerung von Kakaofarmern rund um den Tai Nationalpark und den Cavally Fôret classée an der Elfenbeinküste fokussiert.

Das Unternehmen hat darüber hinaus mit dem IDH und der International Finance Corporation (dem Privatsektor der Weltbank) eine Einrichtung zur Risikostreuung etabliert, die Kredite an Farmer vergibt, so dass diese in ihre Produktivitätssteigerung investieren können. Andere Initiativen umfassen Finanzierungen zur Ausbildung von Frauen sowie das Bemühen, die Abholzung innerhalb der Kakao-Wertschöpfungskette zu verhindern. Zu diesem Zweck soll ein Abkommen gegen die Umwandlung von Wald in Kakaoplantagen und gegen die Nutzung von Kakao aus Nationalparks geschlossen werden.

Obwohl das Unternehmen bereits vielzählige kurzfristige Erfolge erzielt hat (2016/17 wurden über 157.000 Farmer durch Barry Callebaut landwirtschaftlich fortgebildet), ist auch klar, dass der Wandel viele Jahre in Anspruch nehmen wird. Die Strategie verfolgt große Ziele: 500.000 Farmer sollen aus der Armut geholt, Kinderarbeit abgeschafft, positive Auswirkungen in Bezug auf CO2 und Wälder erreicht und nachhaltige Zutaten genutzt werden – und das alles bis 2025. „Das ist ein großes Projekt und 2025 ist deshalb auch sehr ambitioniert“, sagt Perversi.

Technologie nutzen, um Nachhaltigkeit zu verbessern
Barry Callebaut legt großen Wert darauf, die eigene Lieferkette durch Technologie zu verbessern. Das Unternehmen setzt auf energieeffizientere Verfahrenstechnologie, wie kontinuierliches Conchieren und hochtourige Raffination, und hat einige Initiativen zur kontinuierlichen Verbesserung der Arbeitsleistung und der Güternutzung, wie zum Beispiel optimierte Planung und reduzierte Ausfallzeit, etabliert.

Dabei zielt der Einsatz von Technologie bei Barry Callebaut nicht auf dramatische Transformation ab, sondern eher auf die Implementierungen im Kleinen, die zusammengenommen jedoch große Auswirkungen zeigen. „Während unserer Wartungsprogramme haben wir systematisch altes Equipment durch energieeffizientes Equipment wie leistungsstarke Elektromotoren, energieeffiziente Beleuchtung und Gasbrenner ersetzt“, erklärt Perversi. Ähnlich haben sich Änderungen in der Planung des internen Produktstroms (hauptsächlich zwischen Ursprungs- und Konsumländern) positiv auf das Unternehmen ausgewirkt: Der Transportbedarf konnte deutlich reduziert werden. „Zurzeit führen wir digitale Lösungen zur Überwachung unserer Prozessleistung ein, um die Effizienz in Arbeitsleistung und Energie zu steigern“, sagt Perversi.

Barry Callebaut evaluiert weiterhin, wie neue Technologien wie Digitalisierung, Big Data Analysis und Automatisierung genutzt werden können, um Mehrwert für das Unternehmen zu erzielen. „Wir erwarten, dass uns diese neuen Technologien dabei helfen, unser operatives Geschäft zu verbessern sowie unseren Energieverbrauch zu senken, und somit zu unseren Nachhaltigkeitszielen beitragen“, sagt Perversi. „Blockchain kann zum Beispiel die Rückverfolgbarkeit der Produkte und die Qualitätssicherung optimieren. Und unsere cloudbasierte Tracker-App Katchilè gibt uns die Möglichkeit, die Bedürfnisse der Kakaofarmer in unseren Programmen zu beurteilen.“

Nichtsdestotrotz wird das Kakaogeschäft immer primär ein People-Business bleiben. „Die Nutzung von Big Data, um die Welt um uns herum besser zu verstehen oder um das Potenzial der Kakaobohne zu erfassen, wird die Entwicklung vorantreiben“, sagt Perversi. „Aber menschliche Kreativität wird immer eine fundamentale Rolle dabei spielen, diese Bausteine auch tatsächlich zu nutzen.“ Mit einem Lächeln fügt er hinzu: „Künstliche Intelligenz hätte niemals Schokolade erfinden können.“

Finanzierung und Geschäft in eine Linie bringen
Schaut man auf die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Unternehmen Barry Callebaut, ist es wenig überraschend, dass auch der Finanzierungsansatz durch die Nachhaltigkeitsstrategie beeinflusst wird. Im Juni 2017 hat das Unternehmen einen grünen Revolvingkredit abgeschlossen, wobei ING als Nachhaltigkeitskoordinator einem Konsortium, bestehend aus 13 internationalen Banken, beratend zum Thema Strukturierung und Umsetzung zur Seite stand. „Dieses innovative Finanzierungsprodukt passt perfekt in die Forever Chocolate Initiative“, sagt Steenbergen. „Zusätzlich werden die Fremdkapitalmärkte schrittweise immer grüner. Das ist ein Trend, an dem wir als Industrieführer gerne teilhaben möchten.“

Die Margen, die Barry Callebaut auf Mittel aus der Facility zahlt, sind eng verknüpft mit der Nachhaltigkeitsbewertung des Unternehmens, das von Sustainalytics, einem unabhängigen globalen Forschungs- und Bewertungsanbieter, festgesetzt wird. „Dieses wichtige Feature hilft der Finanzorganisation dabei, unsere Nachhaltigkeitsbemühungen und -mission greifbar zu unterstützen“, erklärt Steenbergen. Seine persönliche Einstellung zum Thema Nachhaltigkeit ist ganz konkret: „Ich glaube fest an eine gerechte Gesellschaft, in der jeder die Möglichkeit bekommt, Erfolg zu haben, und in der Vereinbarungen eingehalten werden. Ich denke, eine gerechte Gesellschaft ist eine nachhaltige Gesellschaft und umgekehrt.“