Sektor Update:

Transport- und Logistikbranche

Wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit den Sektor Transport und Logistik verändern

Veränderungen im Lieferkettenmanagement sowie der Einsatz von Automatisierung und die Verwendung von Daten verändern den Transport- und Logistiksektor bereits heute. Diese Trends werden durch den technologischen Fortschritt, der gestiegenen Bedeutung von Nachhaltigkeit und den Auswirkungen der Corona-Pandemie zusätzlich beschleunigt.

Lieferketten neu denken

Die Logistikbranche basiert in weiten Teilen auf „Just-in-time“-Lieferungen, bei der die Ware nur in der Menge und zu dem Zeitpunkt geliefert wird, in der sie auch weiterverarbeitet werden kann. Das bietet Vorteile wie beispielsweise verringerte Ineffizienzen und niedrigere Kosten für die Lagerlogistik. Die Pandemie, der Klimawandel und Handelssanktionen haben allerdings die Risiken dieses Systems offengelegt.

Brian Reed, VP bei GEODIS Supply Chain Optimization, rechnet mit einer Neubewertung der „Just-in-time“-Lieferketten und Beschaffungsstrategien. „Jahrelange Einsparungen durch eine effiziente Lagerlogistik wurden durch die Inflexibilität und eine mangelnde Krisenresilienz zunichte gemacht“, sagt Reed. „Wir sollten über alternative Lagerstrategien für die Zukunft nachdenken.“ Dies könnte z.B. bedeuten, Lieferanten stärker zu diversifizieren und Lieferketten lokaler anzusiedeln, um Transportkosten einzusparen und den Einfluss auf die Umwelt zu reduzieren.

„Diese Krise führt der gesamten Branche die Kosten von (fehlender) Prävention vor Augen. Es ist ähnlich wie beim Thema Nachhaltigkeit, wo wir langsam verstehen, welchen Schaden der Klimawandel anrichtet, wenn wir diese Kosten nicht internalisieren“, sagt Jens Brokate, Vice President für den Automotive Sektor der ING.

Erhöhte Transparenz

Um die Resilienz und eine effizientere Planung im Transport- und Logistiksektor zu erhöhen, ist die Transparenz ein wichtiger Faktor. Die steigende Verwendung des Internet of Things (IoT), künstlicher Intelligenz und Datenmanagement in Echtzeit unterstützen diesen Prozess zusätzlich.

Ein Beispiel hierfür sind intelligente Container, die mit Sensoren und IoT-Konnektivität ausgestattet sind und in Echtzeit überwacht werden können. Die Daten werden dann für andere Anwendungen und Services verwendet, wie beispielsweise angepasste Versicherungsbeiträge, die je nach Standort automatisch ausgerechnet werden. Befindet sich der Container in einem Krisengebiet, steigen die Beiträge, wird der Container in ein Lager in einem sicheren Land verladen, sinken die Beiträge.

Transformation unterstützen

Wie kann man Unternehmen bei diesen Umbrüchen im Sektor unterstützen? Einerseits durch Finanzierungen, die den Unternehmen durch die aktuelle Krise helfen. Andererseits aber auch durch die langfristige Begleitung und Finanzierung der Transformation, die einige Unternehmen jetzt durchlaufen. Jens Brokate betont außerdem, dass Transport- und Logistikunternehmen jetzt investieren müssen, um mit der schnell voranschreitenden Entwicklung neuer Technologien schritthalten und ihr Geschäftsmodell nachhaltig ausrichten zu können. Die Reduzierung von Emissionen und eine höhere Energieeffizienz im Transportsektor durch Elektrifizierung und Digitalisierung wird noch wichtiger werden, da die Energiewende trotz Corona weiter vorangetrieben wird, um wichtige Klimaziele zu erreichen.

Banken spielen hierbei eine zentrale Rolle. Die ING unterstützt ihre Kunden vor allem bei der Finanzierung von nachhaltigen Projekten und Produkten. Mit dem Sustainability Improvement Loan ist die Bank beispielsweise neue Wege gegangen, indem der Darlehenszins an die Nachhaltigkeitsperformance der Unternehmen geknüpft ist. So kann sich das Unternehmen auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: die langfristig nachhaltige Ausrichtung des Geschäftsmodells. „Es ist wichtig, dass Unternehmen die neue Realität anerkennen“, sagt Jens Brokate.