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Blockchain

Was macht die Blockchain mit dem Handel der Zukunft?

Heute ist die Blockchain noch „the next big thing“. Aber was ist morgen? Und wie wirkt sich diese neue Technologie auf den Handel aus? Aus dem Trend wird eine neue Art zu arbeiten. Und die ING ist mit der Distributed-Ledger-Plattform Initiative Marco Polo vorne mit dabei.

Der Wirbel um die Krypto-Währung Bitcoin verschleiert den Blick auf das Potenzial der dahinterliegenden Distributed-Ledger- und Blockchain-Technologie. In einer Blockchain lassen sich Daten und Vereinbarungen verschlüsselt und unveränderlich auf dezentralen IT-Netzwerken abspeichern. Um mit dieser Technologie durchgeführte Geschäfte wirksam zu machen, bedarf es keiner zentralen Institution. Autorisierte Personen können die aufgezeichneten Informationen jederzeit abrufen, verifizieren, übertragen, entschlüsseln, aber auch als Eigentumsnachweis verwenden. Distributed Ledgers müssen dabei keineswegs öffentlich sein, sondern können in geschützten Netzwerken mit Zugangsbeschränkung organisiert werden. Letztlich ist diese Technologie vergleichbar mit einem Journal zur fortlaufenden Dokumentation geschäftlicher Transaktionen.

Allerdings steht diese sehr junge Technologie noch am Anfang. Am intensivsten wird in den Bereichen Handel und Logistik an Lösungen gearbeitet. So entwickelt das Logistikunternehmen AP Moller-Maersk gemeinsam mit dem Technologiekonzern IBM ein auf der Blockchain basierendes grenzüberschreitendes Supply-Chain-Programm, das mehrere zehn Millionen Schiffscontainer verwaltet und überwacht. Das Joint Venture knüpft dafür ein Netzwerk zwischen Verladern, Spediteuren, Reedereien, Seefrachtführern, Häfen und Zollbehörden mit dem Ziel, papierhafte, manuelle Eingriffe und damit erhebliche Kosten zu vermeiden.

 

Handelsfinanzierung erleichtern

Die Initiative Marco Polo, der auch die ING angehört, ist ein Konsortium aus Technologieanbietern und Banken, das Distributed-Ledger-Plattformen für Handelsfinanzierungen entwickelt. Diese Plattform stellt Handelsdaten, Verträge und Transaktionen bereit, um die Interaktion zwischen Banken, Käufern, Lieferanten, Technologieanbietern, Versicherern und anderen Parteien zu verbessern. Dafür werden so genannte „Smart Contracts“ erstellt – Algorithmen, die Informationen von Handelsdaten verarbeiten, wie beispielsweise Versand- und Logistikinformationen, Identitäten, Bestellungen, Rechnungen, Handelsaktiva, Finanzierungstätigkeiten oder Kreditrisiken, um Entscheidungen zu treffen.

Treasurer erwarten viel von der Distributed-Ledger- und Blockchain-Technologie. Manche wollen mit Smart Contracts Parameter digital abbilden, um schnell Entscheidungen treffen zu können. Andere wollen die Kosten senken und die Sicherheit erhöhen; vieles ist denkbar. Aber nur wenige haben bislang Erfahrungen gesammelt oder eine konkrete Vorstellung davon, wie sie im Einzelnen am besten einzusetzen ist. 

Zudem gibt es noch einige Hürden, bevor die Blockchain im Treasury zum Einsatz kommen kann. So ist die Technologie für den Zahlungsverkehr bislang nicht ausreichend skalierbar und zu langsam. Regulierungsbehörden müssen davon überzeugt sein, dass Blockchain-Anwendungen mit den bestehenden Vorschriften in Einklang gebracht werden können. Zudem gibt es praktische Hürden: Derzeit sind nur wenige Dutzend Banken und Unternehmen weltweit überhaupt in der Lage, diese Technologie zu installieren und anzuwenden.

Eines ist dennoch klar: Die Distributed-Ledger-Technologie hat das Potenzial, Prozesse in Banken und im Treasury grundlegend zu verändern. Banken werden angesichts des Kosten- und Time-to-Market-Drucks nicht mehr wie früher in der Lage sein, eigenständig End-to-End-Lösungen zu entwickeln. Eine effiziente, schnelle und kostengünstige Produktentwicklung ist daher am besten in Zusammenarbeit mit Partnern möglich. Dazu gehören Firmenkunden ebenso wie auf spezifische Lösungen fokussierte Fintechs.